Ein V-Motor für die Ducati Sportbikes der Zukunft

Desmosedici Stradale

“Marco Simoncelli” Misano World Circuit (RN, Italien) 7. September 2017 – Ducati präsentiert den auf den Erfahrungen aus der MotoGP basierenden neuen 90-Grad-V4-Motor, der die künftigen Topmodelle der Superbike-Familie aus Borgo Panigale befeuern wird. Durch den Transfer der Technologie des Hightech-Aggregats von der Rennstrecke auf die Straße kann Ducati seinen Kunden eine Performance bieten, die nur durch die jahrelange Erprobung in der MotoGP möglich ist.

Der Desmosedici Stradale

Der Desmosedici Stradale genannte Antrieb markiert einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von Ducati: Erstmals rüstet der Traditionshersteller aus Bologna ein Serienmotorrad mit einem Vierzylindermotor aus.

Die offizielle Enthüllung fand in Misano im Rahmen des San Marino und Rimini Riviera GP statt, dem 13. Lauf zur MotoGP-Weltmeisterschaft 2017. Dieser stellt die natürliche Umgebung für die Präsentation dar, denn die MotoGP ist genau das Testfeld, dem der neue Antrieb seine Expertise, die Technologie und die Entschlossenheit verdankt.

“Wir sind unglaublich stolz darauf, dieses technologische Kleinod hier enthüllen zu dürfen. Es markiert den Beginn eines neuen Kapitels für unsere Marke und unterstreicht unser unerschütterliches Bemühen um Investitionen in neue Produkte“, betont Claudio Domenicali, CEO der Ducati Motor Holding, während der Präsentation des Desmosedici Stradale. „Dieser Motor ist ein klares Zeichen für die enge Zusammenarbeit zwischen unserer Rennabteilung Ducati Corse und dem Entwicklungsteam der Serienmotorräder und beweist erneut, wie fundamental Rennsport für technische Entwicklungen, die später in die Serienfertigung einfließen, sein kann. Am 5. November 2017 um 21 Uhr (CET) zeigen wir im Rahmen der Ducati Weltpremiere 2018 die neue Panigale V4 – ein komplett neues Motorrad, angetrieben von diesem fantastischen Motor”.

Obwohl der Desmosedici Stradale zweifelsohne Rennstreckenqualitäten besitzt, wurde er ebenfalls für optimalen Fahrspaß im öffentlichen Verkehrsraum entwickelt. Beispiel gefällig? Für ein besonders gutes Durchzugsvermögen im mittleren Drehzahlbereich – eine Grundvoraussetzung für ein herausragendes Fahrerlebnis auf der Landstraße – und ein kräftiges Drehmoment mit satter Leistung schon im Drehzahlkeller, weist der Antrieb einen etwas größeren Hubraum als sein MotoGP-Pendant auf (exakt 1103 cm³). In der Spitze leistet der Euro 4-Antrieb mehr als 155 kW (210 PS) bei 13.000/min, während er im besonders wichtigen Drehzahlbereich zwischen 8.750 und 12.250/min stets mehr 120 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmt.

Die Entwicklung einer R-Version mit weniger als 1000 cm3 Hubraum ist bereits weit fortgeschritten. Diese Version wird höher drehen und stärker auf Rennstreckenbetrieb ausgerichtet sein. Als Homologationsmodell für die Superbike-WM ab 2019 wird sie ein Jahr nach Vorstellung des entsprechenden Straßenmodells, wie es gute Tradition bei Ducati ist, im Rennsport antreten.

Wie bei den Ducati-Rennmotorrädern rotiert die Kurbelwelle des Desmosedici Stradale gegenläufig zur Drehrichtung der Räder. Diese Bauart reduziert insgesamt die stabilisierenden Kreiselkräfte und macht das Motorrad agiler bei schnellen Richtungswechseln.

Der Hubzapfenversatz der Kurbelwelle beträgt 70 Grad wie bei der Desmosedici GP und erzeugt wie dort eine „Twin Pulse“ Zündfolge mit besonders gut kontrollierbarer Leistungsentfaltung und optimierter Traktion am Kurvenausgang (“Big Bang” Effekt). Diese besondere Zündfolge verleiht dem Desmosedici Stradale ein in der Motorradwelt einzigartiges Verbrennungsgeräusch.

Ein Motor in 90-Grad-V4-Konfiguration baut besonders kompakt, ermöglicht eine gute Massenzentralisierung und erleichtert die Integration ins Motorrad. Der Desmosedici Stradale ist um 42 Grad nach hinten geneigt, wie die von Ducati in der MotoGP eingesetzten Triebwerken. Das optimiert die Gewichtsverteilung, erlaubt den Einbau größerer Kühler und bringt den Schwingendrehpunkt so weit nach vorne wie nur möglich.
Bei dieser Bauweise gleichen sich die Massenkräfte erster Ordnung auf natürliche Art aus und erübrigen dadurch das zusätzliche Gewicht und den damit verbundenen Leistungsverlust einer Ausgleichswelle.

Wie in der MotoGP weist die Zylinderbohrung einen Durchmesser von 81 mm auf. Dieses Maß entspricht den im MotoGP-Reglement festgelegten Maximum; zugleich markiert es die größte Bohrung im Vierzylinder-Supersportsegment. Die gleiche Bohrung wie bei der Desmosedici GP bedeutet, dass in beiden Aggregate nahezu die gleichen günstigen Strömungsverhältnisse herrschen (z.B. bei den Ventilen, im Einlasstrakt und den Drosselklappenkörpern, also genau dort, wo die Motorleistung erzeugt wird).

Fast überflüssig erscheint die Erwähnung der Desmodromik, ein unverkennbares Merkmal, das die Ducati Prototypen zu den schnellsten Motorrädern der MotoGP macht. In diesem hochdrehenden V4-Motor arbeitet ein neues „Desmo”-System, so raffiniert, leicht und kompakt wie noch nie bei einer Ducati.

Variable Ansaugtrichter bedeuten eine weitere Premiere für ein Ducati Serienmotorrad. Diese sorgen für eine spürbar bessere Leistungsentfaltung und somit auch leichtere Leistungsdosierung. Für das richtige Gemisch sorgen ovale Drosselklappenkörper mit je zwei Einspritzdüsen, die sich jeweils vor und hinter der Drosselklappe befinden.

Diese Ansammlung modernster technischer Lösungen – absolut einmalig im Supersport-Sektor – macht aus der Desmosedici Stradale einen Motor wie er kein zweites Mal in der Motorradwelt zu finden ist.

Ein Stolzer Claudio Domenicali, CEO der Ducati Motor Holding

Technische Daten

  • 1.103 cm³ 90-Grad-V4-Zylindermotor
  • Bohrung x Hub 81 x 53.5 mm
  • Verdichtung 14:1
  • Maximalleistung über 210 PS (155 kW) bei 13.000/min
  • Maximales Drehmoment über 120 Nm zwischen 8.750 und 12.250/min
  • Euro 4
  • Zwei obenliegende Nockenwellen mit Ketten-Zahnrad-Hybridantrieb und desmodromischer Ventilsteuerung, vier Ventile je Zylinder
  • Gegenläufige Kurbelwelle mit 70 Grad Hubzapfenversatz
  • Mehrscheiben-Ölbadkupplung mit Servo-Funktion
  • Semi-Trockensumpfschmierung mit vier Ölpumpen: eine Druckpumpe und drei Rückförderpumpen
  • Gemischaufbereitung über vier ovale Drosselklappenkörper (entsprechen Ø 52 mm) und variable Ansaugtrichter
  • Sechsganggetriebe mit DQS up/down System
  • Lange Inspektionsintervalle mit „Desmo-Service“ nur alle 24.000 km

 

 

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