Power of Dreams Day – Der Honda Pressetag 2018

Wir schreiben Mai, die ersten tollen Motorradtage liegen bereits hinter uns. Zeit für die traditionellen Honda Motorrad Pressetage an denen Journalisten, Blogger, YouTuber und Forenbetreiber sich durch die komplette Modellpalette aus Japan testen können.

Traf man sich in den vergangenen Jahren in Weibersbrunn bzw. auf dem ADAC Off-Road-Zentrum in Rüsselsheim-Bauschheim, so wählte Honda Deutschland dieses Jahr ihre edle Akademie in Erlensee vor den Toren Frankfurts. Hier bildet Honda ihre Mitarbeiter und Händler auf allen Zwei- und Vierradprodukten sowie der Haushaltstechnik aus und weiter. Aber auch nicht-technische Trainings finden in der Akademie genauso statt wie Präsentationen vor Externen. Zum Ausbildungszentrum gehört noch eine kleine Dynamikfläche auf der entspannt einige Fahrversuche möglich sind. Auch finden hier Fun & Safety Events für Kunden statt.

Perfekte Rahmenbedingungen also, um insbesondere Neuheiten zu testen aber auch einiges rund um Honda zu erfahren, die in ihr 70. Firmenjahr eintreten. Inzwischen umfasst das Produktspektrum 43 Modell in 8 unterschiedlichen Kategorien. Im Fokus 2018 stehen hierbei natürlich die neue Reiseenduro Africa Twin Adventure Sports, die NeoSportsCafé Racer CB125R, CB300R und der lang ersehnte Nachfolger der erfolgreichen CB1000R. Ganz besonders stolz ist man aber sicher auf die Gold Wing GL1800, mit der Honda eine weit über 43-jährige Erfolgsgeschichte weiterschreiben möchte. So lag meine Testpriorität dieses Jahr auf diesen drei Big-Bikes aus der Kategorien Adventure, Tourer und Naked.

Freie Auswahl beim Honda Pressetag 2018 in der Honda Akademie Erlensee

 

Das Abenteuer ist überall – die Africa Twin Adventure Sports

1988 begann der Mythos Africa Twin. Vor 2 Jahren war es dann nach langem warten endlich wieder soweit und Honda schrieb die Geschichte fort. Mit weltweit über 51.000 verkauften True Adventure Bikes – wie Honda so trefflich 2016 ihr Wüstenflitzer nannte – übertraf die Africa Twin alle Erwartungen. Knapp die Hälfte der verkauften Einheiten gingen nach Europa und hiervon gut 5.000 Stück nach Deutschland.

Nun erweitert Honda das Abenteuer um eine noch reisetauglichere Version mit einem 24,2 Liter Tank der fast 500 Kilometer Reichweite ermöglicht, einer um 20 Millimeter höheren Bodenfreiheit und einem deutlich längeren Federweg. Dadurch stieg entsprechend die Sitzhöhe um gut 50 Millimeter an. Bei der Ergonomie wurde mehr Wert auf lange Reisen gelegt und so sitz der Pilot nun etwas aufrechter, durch den um gut 6,5 Millimeter näher und 32,5 Millimeter höher positionierten Lenker. Beim Windschutz bieten eine 80 Millimeter höhere Scheibe den entsprechenden Komfort.

Durch Einführung des elektronischen Gasgriffes, stehen nun zahlreiche voreingestellte Fahrmodis zur Verfügung, die in Verbindung mit dem optimierten DCT immer ein perfektes Zusammenspiel aller Parameter sicherstellt. Somit kann mit der Africa Twin entspannt gecruisen, sportliche für einen Geländeausflug genutzt oder dynamisch auf der Landstraße bewegt werden.

Weitere Merkmale der Adventure Sports sind die Gepäckbrücke, Schutzbügel und der Unterbodenschutz. Bei der Farbgebung, orientierte man sich stark an die Ur-Africa Twin und so glitzert sie in Pearl Glare White (Farbcode NHB53HB – Tricolor). Bei den ganzen „Vergrößerungen“ stieg natürlich auch das Gewicht zur normalen um 13 Kilogramm auf 243 Kilogramm bei der Standard und 253 Kilogramm bei der DCT-Variant.

Aber genau dieses Gewicht merkt man der „großen“ Africa Twin auf der Straße nicht wirklich an. Sie lässt sich sehr direkt und sportlich bewegen. Dabei verwöhnt einen der Endtopf mit toller Klangkulisse. Im Gelände spürt man die Mehrkilos etwas, wobei ich wetten würde, dass die wenigsten mit diesem Schmuckstück ins richtige Gelände gehen werden. Das neu gestaltete Display informiert einen gut ablesbar über alle wichtigen Dinge und lässt sich durch 3 Wählschalter links extrem simpel bedienen. So gelangt man schnell und direkt durch alle Funktionen, Informationen und Einstellmöglichkeiten. Sicher benötigt man entsprechend lange Beine, um sicheren Stand zu finden. Hat man diese aber, dann ist die Africa Twin Adventure Sports eine wirklich tolle Begleiterin auf jedem Abenteuer.

Motorseitig werden alle Africa Twins – egal ob Standard oder Adventure Sports – mit 95 PS und 98 Newtonmetern ausgestattet. Dies klingt auf den ersten Blick recht wenig, reicht aber vollkommen aus um entspannt und in vollem Umfang diese Leistung abrufen zu können.

Wer nun dachte, dass die Standard unverändert blieb, der hat sich getäuscht. Denn auch hier wurde im Detail gearbeitet. Sie ist nun 2 Kilogramm leichter, besitzt ebenfalls einen elektronischen Gasgriff, hat 3 Modis plus individuellen Einstellungen und bietet mit einer Anti-Hopping-Kupplung, einer 7-stufigen Traktionskontrolle mehr Sicherheit.

40 Jahre Africa Twin – der Mythos lebt mehr denn je

 

Ist das noch eine CB1000R?

In Mailand blickten wir zum ersten Mal ins neue Gesicht der CB1000R und ihren kleinen Schwestern der NeoSportsCafé Familie. Grundsätzlich ein sehr ansprechendes Design aber eben kein böse dreinblickendes Biest.

Die edle Version der Honda CB1000R+

Basis ist der Fireblade-Motor 2006

Nun sind einige Monate vergangen und die erste Enttäuschung ist beiseitegelegt. Nimmt man sich nun etwas Zeit, betrachtet man Sie oder gar die edle CB1000R+, so stellt man schnell fest, dass die Neue deutlich kompakter und agiler auftritt sowie extrem edel verarbeitet ist. Blickt man dann auf die technischen Daten, begeistern 145 Pferde mit 104 Newtonmetern und 212 Kilogramm vollgetankt. Wirft man nun noch einen detaillierten Blick auf die Leistungskurve, wird einem schnell klar, dass Honda hier einen bissigen Café-Racer hingestellt hat, der im wichtigen Drehzahlbereich zwischen 6.000 und 8.000 Touren mächtig anschieben kann. Dabei basiert das CB1000R-Herz auf dem 2006er Fireblade Motor mit 8 Millimetern größeren Drosselklappenkörpern und deutlich kürzerer Übersetzung in den ersten 3 Gängen im Vergleich zur aktuellen Fireblade, was ihr auf den ersten Metern bis 150 Km/h sicher ordentlich Vorsprung einbringt.

Für meinen Test griff ich zur mit 14.790 Euro um 1.500 Euro edleren Plus Variante. Die CB1000R+ glänzt mit einer Sitzbankabdeckung, Hinterradabdeckung, Windschild, Kühler Cover und Gabelschutz. Dabei sind alle Teile, wie im Übrigen das gesamte Bike, aus hochwertigem Aluminium. Angeblich gibt es nur 6 Kunststoffteile im Sichtbereich! Dazu kommt noch eine Griffheizung und der Quickshifter mit Blipper-Funktion aus der Fireblade.

Bereits auf den ersten Testmetern wird klar, dass die Performance extrem gestiegen ist. Die CB schiebt nachhaltig an und drückt gerade im mittleren Drehzahlbereich nochmals ordentlich nach. Dabei unterstützt die fein abgestimmte Elektronik einen nach Wunsch völlig unaufgeregt. Sie fühlt sich super handlich an und lässt sich sehr präzise bewegen. Möchte man mal etwas sportlicher verzögern, dann ankert der Café-Racer mit mächtig Druck. Hondatypisch fühlt man sich sofort sehr wohl auf ihr und genießt die Leichtigkeit in schnellen Kurvenwechseln. Hondauntypisch ist allerdings der Sound, denn die Zurückhaltung der letzten Jahre wurde auch hier aufgegeben und so begleitet einen bei flotter Fahrt ein sehr sonorer Klang und schöne Hinweistöne beim Gangwechsel mit Blipper.

Die CB1000R hat schon mächtig Zug an der Kette

Das Display ist sehr gut ablesbar, wobei beim durchklicken der einzelnen Punkte, das Auge nicht immer sofort auf den aktiven Part fällt. Dafür lässt sich schnell zwischen den einzelnen Punkten auswählen. Der Blipper arbeitet butterweich und ist ein Muss. Wer also zur Standard greift, der sollte diesen Quickshifter auf jeden Fall mitbestellen.

Also, Leistung und insbesondere das Fahrverhalten sich einer bösen CB1000R ehrenwürdig. Aber liebe Honda-Designer, warum habt ihr nicht eine RS-Version gebracht und für die die „alten“ Fans eine böse dreinblickende R-Variante mit 5 Pferden mehr? Aber gut, ist ja alles Geschmacksache – süchtig macht das Ding trotzdem.

Im Grunde die perfekte Mischung – eine CB1000R+ zum speedcruisen und ne Fireblade zum racen

 

Luxus auf Zwei Rädern – Gold Wing

Als 1975 die erste Gold Wing auf dem Markt kam, dachte sicher keiner der Verantwortlichen daran, dass über 40 Jahre später es Hondas Flaggschiff sein würde, welches wahrscheinliche jeder Motorradbegeisterte kennt und eine Meinung dazu hat. So gibt es die Fraktion, die nie damit fahren würden und es sich auch nicht vorstellen können (wollen), wie man damit fahren kann. Und dann gibt es natürlich die Fans die im Juni zum 35.mal zum legendären Gold Wing Treffen sich einfinden werden.

Luxus auf Zwei Rädern – GL1800 Gold Wing Tour mit DCT und Airbag für 35.990 Euro

2018 gibt es diesen Luxusliner in gleich 3 Varianten von 25.990 Euro über 31.990 Euro bis rauf auf sagenhafte 35.990 Euro. Dafür bekommt man bei der Standard GL1800 Gold Wing ein riesiges Navigationsgerät, Apply Carplay, Tempomat, einen Rückwärtsgang, elektrisches Windschild, Griffheizung, SMART-Key, Reifendruckkontrolle einen Tempomat und vier Fahrmodis. Geht man eine Stufe weiter und zur „Tour“ Variante, so erweitern sich die Gimmicks um elektronische Dämpfer, Topbox, einer höheren Scheibe, Hauptständer, HSTC (Tranktionskontrolle) und einer Sitzheizung. Und will man auf´s Ganze gehen, dann gibt es die „Tour“ Variante noch mit 7-Gang DCT, Start-Stopp-Funktion, Walking Mode zum Rangieren und einem Airbag.

Dann nehmen wir mal Platz im Cockpit des 383 Kilogramm leichten – ja „leichten“, denn sie hat fast einen Zentner abgenommen – Top-Models. Beim betätigen des Starterknopfes herrschte gleich mal Gänsehautstimmung, was für eine geniale Soundkulisse gibt dieses um 6,2 Kilogramm leichter und 29 Millimeter kürzer gewordene 6 Zylinder Boxer-Aggregat von sich? Wahnsinn! Öffnet man dann die Drosselklappen, schiebt das Gerät mächtig und mit potentem Sound voran. Dabei schaltet das 7-Gang-DCT sanft durch alle Gänge. Macht einen schnell süchtig und fasziniert.

Kann auch flott bewegt werden

Das Fahrwerk arbeitet sanft, sehr direkt aber trotzdem nicht irgendwie schwammig. Man merkt das deutlich bessere Ansprechverhalten einer Doppel-Querlenker-Aufhängung zur klassischen Telegabel. Und natürlich kann die Gold Wing auch mächtig zügig bewegen. Und wenn man sich mal auf die mögliche Schräglage eingestellt hat, dann geht´s auch sehr sportlich mit ihr um die Ecken.

Bei den ganzen Bedien- und Einstellmöglichkeiten haben die Honda-Designer sich wirklich Gedanken gemacht, denn schnell ist die Bedienung intuitiv möglich und auch einfach während der machbar. Gepäckseitig ist die Staufläche zwar etwas verkleinert worden, doch wer auf große Tour gehen möchte, dem bieten 2 mal 30 Liter Seitenkoffer und ein 50 Liter Topcase wahrlich genügend Raum.

 

Don´t call it Automatik

Das erste 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe in einem Motorrad – Respekt. Von einigen noch immer belächelt, hält das Dual Clutch Transmission weiter Einzug in nun bereits 8 Honda Modellen. Inzwischen wurde die DCT-Steuerung soweit optimiert, dass in verschiedenen Fahrmodis, sei es im Gelände oder auf der Straße, sein es sportlich dynamisch oder im Eco-Modus, das Getriebe optimal schaltet und die Schubkraft nie unterbricht. So werden aktuell gut 50% der Africa Twins und NC750X Modelle mit DCT ausgeliefert. Selbst das Einsteigermodell NC750S bringt es auf einen stattlichen Anteil von mehr als 30%. Beim Crosstourer ist inzwischen nur noch jedes dritte Bike mit einem manuellen Getriebe ausgestattet. Und in der neuen Gold Wing Tour, kommt nun also die 3.DCT-Generation mit 7 Gängen zum Einsatz.

7-Gang DCT in der Gold Wing Tour

 

Updates bei den 750zigern

Der DCT-Erfolgt hat sicher auch mit der beliebten 750ziger-Serie zu tun. Daher bekommen quasi alle vom X-ADV über die NC750S und X sowie der Integra, im aktuellen Modelljahr ein kleines aber feines Update verpasst. So stieg der Drehzahlbegrenzer um satte 950 Umdrehungen pro Minute an und um den Einsteigermarkt besser bedienen zu können, gibt es nun alle Modelle in einer 48PS-Variante. Dazu bekommen alle außer der NC750S eine 2-Stufige Traktionskontrolle für mehr Sicherheit. Bei X-ADV erweiterten die Ingenieure den DCT-Betrieb nun noch um einen G-Modus für´s Gelände.

 

Vom Freizeitparkbike zum Kultobjekt – die Monkey

Eine weitere grandiose Neuheit war leider noch nicht eingetroffen – die Monkey. Jeder kennt dieses Kultgerät und jeder hätte gerne eine um Spaß zu haben. Was 1963 in einem Freizeitpark für Kinder gedacht war, heute mit einem unverkennbaren Design und neuerster Technik zurückkommt, weckt bei allen das habenwill-Gen. Für 4.090 Euro sollen die ersten Bikes in 14 Tagen eintreffen und mit 9,4 Pferdestärken und 11 Newtonmetern die 107 Kilogramm voranbringen.

 

Fazit der Träume

Das Spektrum für Motorradfans ist inzwischen riesig und für jeden Geschmack und Einsatzzweckt gibt es ein Bike. Honda zeigte hier wieder einmal, dass sie es können und wissen wie tolle Motorräder gebaut werden. Was sie nun aber auch endlich einfließen lassen ist Emotion und Leidenschaft, sei es in Form und Anmutung oder beim klassischen Fahrerlebnis und zu guter Letzt beim Soundgenuss. Macht Lust auf mehr!

Unterschiedlicher könnte Bikes nicht sein – Spaß macht jede auf ihre Art

Bilder: Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, Gerhard Rudolph (GasgriffSalat), Honda

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