Ducati Streetfighter V4 S 2025 im Test: 214 PS, brachiale Performance und Hightech-Fahrwerk – wie gut ist Ducatis Power-Naked wirklich? Mit der neuen Ducati Streetfighter V4 S bringt Ducati eines der radikalsten Naked Bikes der Gegenwart an den Start. 214 PS, modernste Elektronik, semiaktives Öhlins-Fahrwerk der dritten Generation und ein Chassis direkt aus der Panigale-Welt versprechen kompromisslose Performance auf Straße und Rennstrecke. Doch wie fährt sich dieses Power-Naked jenseits der Datenblätter wirklich? Auf dem technisch anspruchsvollen Andalucia Circuit konnten wir die Ducati Streetfighter V4 S ausgiebig testen – unter Bedingungen, die zeigen, ob Kontrolle, Vertrauen und Fahrbarkeit mit der brachialen Leistung Schritt halten können. Ist sie tatsächlich der beste Streetfighter V4 aller Zeiten?
Laut Ducati der Beste Streetfighter V4 aller Zeiten! Ob diese nackte, 214 PS starke Power-Rakete diesem Anspruch gerecht wird, konnten wir auf dem technisch sehr anspruchsvollen Andalucia Circuit mit der S-Version ausgiebig testen.
Naked Bikes auf der Rennstrecke zu präsentieren, ist zugegebenermaßen immer eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Denn eigentlich entscheidet man sich gerade deshalb für ein Naked Bike, weil man aufrecht, sportlich-komfortabel und besonders agil auf der Landstraße unterwegs sein möchte. Doch um das volle Potenzial eines solchen Monsterfighters wie der Ducati Streetfighter V4 S wirklich ausschöpfen zu können, braucht es einfach eine abgesperrte Strecke – ideal also für einen fordernden Kurs wie den 5.020 Meter langen Andalucia Circuit, der mit schnellen Geraden und engen Kurvenkombinationen perfekte Bedingungen für die italienische Power-Naked bietet.
Man darf sich allerdings durchaus berechtigt fragen, ob es tatsächlich über 200 PS in einem Naked Bike braucht, wenn deren Kraft im öffentlichen Straßenverkehr ohnehin niemals völlig ausgefahren werden kann. Die Antwort darauf ist ebenso einfach, wie ehrlich: Weil es schlichtweg ein großartiges Gefühl ist, diese unbändige Leistung unter sich zu wissen – ganz nach dem Motto „Haben ist besser als brauchen“!

Eigentlich doch nur eine nackte Panigale V4 S – nicht wirklich!
Auf den ersten Blick könnte man meinen, Ducati habe es sich einfach gemacht. Man nehme eine Panigale V4 S, entferne die Verkleidung, montiere eine aggressiv gestaltete Frontmaske, platziere den Lenker etwas höher – und fertig ist der neue Streetfighter. Weit gefehlt! Natürlich teilt sich das Naked Bike viele Komponenten mit seiner vollverkleideten Hypersport-Schwester. Das fängt beim bärenstarken V4-Aggregat an, setzt sich beim bewährten Chassis fort und endet bei der ausgefeilten Elektronik, die schon in der Panigale V4 S begeistert. Doch das Geheimnis steckt im Detail.
214 PS und satte 120 Nm Drehmoment treiben die Streetfighter V4 S an. Im direkten Vergleich zur Panigale fehlen hier zwar 2 PS, doch dieser minimale Verlust ist keineswegs bedingt durch technische Änderungen im Motor. Vielmehr resultiert er aus der geänderten Front und der dadurch reduzierten Luftzufuhr zum Motor. Dazu kommt eine kürzere Übersetzung von 15/42 statt 16/41 sowie die mehr auf den Straßenbetrieb abgestimmten Gänge eins, zwei und sechs. Bemerkenswert bleibt, dass das V4-Aggregat trotz Erfüllung der verschärften Euro5+ Norm ganze 6 PS mehr leistet als das Vorgängermodell – ein weiterer Beweis für die kontinuierliche Entwicklungsarbeit im Hause Ducati.
Der Hauptrahmen, welcher den Motor als tragendes Element nutzt, stammt direkt von der Panigale V4. Hier wurde nur der Lenkkopfwinkel mit einer modifizierten Aufnahmebuchse um 0,5 Grad vergrößert. Dies verlängert den Radstand um 11 mm auf 1.496 mm. Dadurch gewinnt die Streetfighter ein stabileres und etwas gutmütigeres Fahrverhalten, ohne jedoch ihre messerscharfe Agilität einzubüßen.
Ebenfalls umfangreich überarbeitet wurde das Fahrwerk von Öhlins. Zwar sehen die Komponenten äußerlich unverändert aus, doch im Inneren arbeitet eine komplett neue Abstimmung mit überarbeiteten Algorithmen und weicheren Federraten. Diese Änderungen verleihen dem neuen Streetfighter V4 eine bessere Alltagstauglichkeit und ein spürbar ausgewogeneres Ansprechverhalten im Grenzbereich.
Auch bei den hochwertigen Brembo Hypure Bremszangen bleibt äußerlich alles beim Alten. Jedoch wurden hier nicht ganz so scharfe Bremsbeläge verbaut, was im ersten Moment zu einem etwas weicheren Ansprechverhalten beim Anlegen der Bremse führt.

Der V4-Kraftspender
Wir kennen das Aggregat aus der Panigale V4, aber gerade in Verbindung mit der aufrechteren, entspannten Sitzposition entfalten sich die 214 PS aus dem 1.103 ccm großen 90-Grad-V4 Desmosedici Stradale gefühlt noch brutaler und im schärfsten Modus wie eine Rakete. Zwar liegen die 120 Nm zwar erst bei 11.250 Touren an und das Leistungsdiagramm zeigt zwischen 6.000 und 8.000 Touren einen etwas flacheren Anstieg, doch dies spürt man zu keinem Zeitpunkt. Denn bereits bei 5.000 Touren stehen satte 80 Nm an und schon bei 6.000 Touren schiebt der Motor mit über 100 Nm mächtig nach vorne. Kombiniert man diese Kraftentfaltung mit der kurzen Übersetzung (15 Zähne vorne und 42 hinten), ist eines sicher: Das Vorderrad wird regelmäßig Richtung Himmel steigen – Wheeliegarantie inklusive!
Um ein möglichst feines und geschmeidiges Ansprechverhalten des Vierzylinders gerade auf der Landstraße zu gewährleisten, setzt Ducati auf ein variables Einlasssystem (Variable Intake System – VIS). Dabei verlängern sich die Ansaugtrichter bei Drehzahlen unterhalb von 12.000 U/min automatisch von 25 auf satte 80 Millimeter. Dieses technische Detail sorgt für spürbar mehr Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich und verleiht dem Motor jene souveräne Elastizität, die ihn auf der Landstraße zum powergeladenen Begleiter macht.
Und so verwöhnt der Motor mit einem extrem feinfühligen, aber gleichzeitig direkt-sportlichen Ansprechverhalten und gefühlt nicht endendem Schub. Selbst jenseits der Marke von 220 km/h schiebt der V4 noch vehement an. Laut offizieller Homologation liegt die Höchstgeschwindigkeit zwar bei 270 km/h, doch während des Tests konnte ich bereits aus dem Augenwinkel satte 280 km/h im fünften Gang auf der langen Gegengeraden erhaschen – und das Ende des Vortriebs war hier noch längst nicht erreicht.

Keine heißen Beine mehr
Beim brachialen Vortrieb der neuen Streetfighter V4 S kann einem zwar durchaus heiß unterm Helm werden, doch genau dort endet die Hitzeentwicklung jetzt glücklicherweise auch. Denn beim Thema Wärmeabfuhr hat Ducati noch einmal kräftig nachgelegt und entscheidende Verbesserungen umgesetzt. Mit 7 Prozent erhöhter Kühlleistung läuft zum einen der Motor kühler, was zur Leistungsgewinnung beiträgt und zum anderen wird die Abwärme über neu designte Luftauslässe an den Seiten vom Fahrer und vor allem seinen Beinen abgeleitet.
Selbst beim Warten an der Boxenausfahrt mit laufendem Motor spürt man kaum Wärme vom Motorrad – und das, obwohl der Kühlerlüfter anspringt und kräftig Luft bewegt. Diese Entwicklungsleistung ist bemerkenswert, gerade bei einem Bike mit solch gewaltiger Leistung und hitzeintensivem V4-Motor. Ducati ist hier ein großer Schritt nach vorne gelungen, der den Fahrkomfort deutlich verbessert. Klasse gemacht!
Das Herzstück elegant in Szene gesetzt – Motor als Designobjekt
Gerade bei einem verkleidungslosen Motorrad rückt der Motor unweigerlich noch stärker in den Fokus des Betrachters. Und so ist das Desmosedici Stradale-Aggregat nicht nur leistungsseitig, sondern auch designtechnisch ein absolutes Highlight. Da der 1 kg leichtere Motor ein tragendes Element ist, wird er nicht durch eine Rahmenkonstruktion verdeckt, sondern liegt frei im Blick. Und hier steckt eben nicht nur brachiale Power drin, sondern auch ganz viel schicke italienische Optik. Besonders eindrucksvoll wirkt das Triebwerk in Kombination mit der optional erhältlichen, extrem cleanen Racing-Auspuffanlage. Die nach oben verlegten Endtöpfe sparen satte 6,6 kg Gewicht ein und bringen bis zu 12 zusätzliche PS – nun kommt erst recht zur Geltung, welch graziles Aggregat hier im Zentrum steht.
Direkt mit dem Triebwerk verbunden zieht zudem die leichtere Doppelarmschwinge alle Blicke auf sich. Zweifellos war die bisherige Einarmschwinge ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, doch die aktuelle Reifentechnik, welche Schräglagen über 60 Grad zulässt, hat die technische Machbarkeit an ihre Grenzen gebracht. Denn um in solch extremen Schräglagen stets ein klares Feedback und bestmöglichen Grip gewährleisten zu können, braucht es zwingend eine gewisse Dämpfung. Bis zu einer gewissen Schräglage übernimmt dies natürlich das Fahrwerk. Ab einem bestimmten Winkel kann dieses jedoch nur noch wenig aufnehmen. Somit müssen Rahmen und Schwinge diese Aufgabe übernehmen.
Genau aus diesem Grund hat sich Ducati für die neue Zweiarmschwinge entschieden. Mit der Zweiarmlösung konnte man die laterale Steifigkeit um 43 Prozent reduzieren. Ebenso ist der um 950 Gramm leichtere Alu-Rahmen mit 40 Prozent weniger Steifigkeit versehen. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass in Sachen Stabilität – etwa beim aggressiven Beschleunigen oder beim harten Anbremsen – Abstriche gemacht werden müssen.
Ganz im Gegenteil! Das neue Fahrwerkskonzept sorgt vielmehr dafür, dass das Gefühl für das Vorderrad außergewöhnlich klar und direkt bleibt und ein enormes Vertrauen vermittelt. Selbst bei schwierigen Bedingungen, wie wir sie anfangs auf dem noch rutschigen Asphalt des Andalucia Circuit hatten, blieb der Fighter stets kontrollierbar und vermittelt ein hohes Vertrauen. Dazu trägt sicherlich auch der um 0,5 Grad vergrößerte Lenkkopfwinkel bei. Dieser wird durch ein spezielles, neu entwickeltes Lagerinlay aus Aluminium mit leicht versetzten Bohrungen erreicht.

Semiaktives Fahrwerk der dritten Generation
Ein weiterer technischer Leckerbissen, den Ducati der Streetfighter V4 S spendiert, ist das elektronisch gesteuerte Öhlins-Fahrwerk mit der brandneuen Softwareversion 3.0. Diese semiaktive Fahrwerksregelung passt Dämpfung und Federrate automatisch in Echtzeit an jede Fahrsituation individuell an und garantiert so jederzeit optimalen Grip sowie ein außergewöhnlich klares Feedback. Öhlins liefert hierbei „nur“ die hochwertigen Hardwarekomponenten, die bewährte NIX30 43-mm-USD-Gabel und das exzellente TTX36-Federbein, dazu natürlich die Basissoftware. Die eigentliche Feinabstimmung und Anpassung des elektronischen Systems erfolgte jedoch komplett durch Ducatis hauseigene Testfahrer, allen voran dem erfahrenen Entwicklungsprofi Alessandro Valia, der das Setup auf der Rennstrecke sowie im Straßeneinsatz perfektionierte.
Im direkten Vergleich zur sportlicheren Panigale V4 S sind die Federelemente der neuen Streetfighter grundsätzlich etwas komfortorientierter ausgelegt, ohne jedoch ihre sportliche DNA zu verlieren. Insbesondere am Heck wurde das Federbein über eine leicht modifizierte, progressivere Umlenkung angepasst, was nicht nur dem Fahrkomfort im Alltag zugutekommt, sondern gleichzeitig auch den mechanischen Grip spürbar erhöht. Wie beeindruckend gut dieses neue Setup tatsächlich funktioniert, zeigte sich vor allem im Test auf dem Andalucia Circuit, wo das semiaktive Öhlins-Fahrwerk in Kombination mit den Pirelli-Slicks ein geradezu sensationell harmonisches Zusammenspiel bot.
Daten ohne Ende – die Elektronik
Und hier kommt dann auch die Elektronik ins Spiel. Ducati fährt bei der neuen Streetfighter V4 S das volle Programm auf – sämtliche Systeme, die derzeit bei den Italienern verfügbar sind, sind hier an Bord. Insbesondere die Traktions-, Wheelie- und Slide-Control sind hier ein wahrer Glücksspender. Sie erlauben es einem von Runde zu Runde an sein persönliches Maximum zu kommen und persönliche Grenzen zu verschieben.
Vier Fahrmodi (Race, Sport, Road, Wet), die individuell angepasst werden können, stehen zur Verfügung und regeln den Streetfighter völlig unauffällig ein. Bis auf den Wet-Modus, bei dem die Leistung auf 160 PS reguliert wird, steht immer die volle Power zur Verfügung. Lediglich die Art der Leistungsentfaltung wird angepasst – von sanft und kontrolliert im Road-Modus bis hin zur kompromisslosen Direktheit im Race-Modus. Gerade am Morgen bei kühlen Bedingungen war der Sportmodus optimal mit etwas sanfter einsetzender Leistung – wobei „sanft“ hier noch immer extrem nachdrücklich war! Mittags dann im Race-Modus durfte sie voll ran – irre!
Bei Verzögern unterstützt das Race-eCBS und die einstellbare Motorbremse hervorragend. Man kann nahezu bedenkenlos an die Bremse gehen und auch als ungeübter brutale Verzögerungen erzielen. Dabei bleibt das Bike immer stabil und fängt ein leichter werdendes Hinterrad durch die eCBS-Funktion perfekt wieder ein. So kann man hinten auch bedenkenlos mitbremsen und wird bei jedem Bremsvorgang noch mit dezent quietschendem Reifen verwöhnt – Gänsehaut! Wer will, kann im Race-Modus das ABS hinten auch komplett deaktivieren. Dass Ducati hier etwas weicher abgestimmte Bremsbeläge in den Hypure-Brembo-Sätteln verwendet, ist im Vergleich zur Panigale nicht wirklich spürbar.
Geschaltet wird mit dem neuen Ducati Quickshifter 2.0, der präzise und butterweich in beide Richtungen arbeitet – völlig unabhängig von Drehzahl oder Lastzustand. Das technische Highlight des „Schaltautomaten“ sitzt auf der Schaltwelle und nicht mehr als Drucksensor im Schaltgestänge. Der Sensor registriert jede Drehbewegung der Welle und leitet entsprechend die Schaltunterbrechung ein.

Schönes breites Display
Alle Fahrmodi und deren individuelle Einstellungen lassen sich auf dem neuen, großflächigen 6,9-Zoll-TFT-Display im extrabreiten 8:3-Format hervorragend ablesen. Zwar benötigt man kurz etwas Einarbeitungszeit, um die entsprechenden Einstellmöglichkeiten zu finden und zu verstehen, doch dann lässt sich nahezu alles einfach und gut erklärt einstellen. Zwar hat man auf der Rennstrecke oft recht wenig Zeit, um auf das Display zu achten, doch in den Momenten, in denen ich drauf schaute, war alles immer hervorragend ablesbar – selbst bei direkter Sonneneinstrahlung. Hier hilft sicher, dass das Display technisch stark an ein High-End-Smartphone-Display angelehnt wurde, bei dem Ablesbarkeit und Klarheit immer gegeben sind.
Das Layout lässt sich in zwei unterschiedlichen Darstellungsvarianten – „Track“ und „Road“ – einstellen. Während die Straßenansicht eher klassisch gehalten ist und die wichtigsten Informationen übersichtlich präsentiert, rückt der Track-Modus sportlich relevante Werte wie Schräglage, G-Kräfte oder den integrierten Laptimer mit Sektionszeiten in den Vordergrund. Dadurch erhält man stets genau die Informationen, die in der jeweiligen Fahrsituation gerade relevant sind – durchdacht, funktional und ergonomisch hervorragend gelöst.

Aufsitzen und Wohlfühlen – die Ergonomie
Obwohl auf ein Windschild bewusst verzichtet wurde, entsteht beim Fahren zu keiner Zeit das Gefühl, ungeschützt im Wind zu sitzen. Die markante Frontmaske des Streetfighters, leitet den Luftstrom so geschickt um den Oberkörper herum, dass selbst bei hohen Geschwindigkeiten keine störenden Verwirbelungen auftreten. Ob man nun tief auf dem Tank liegt oder in entspannter, aufrechter Haltung die Auslaufrunde genießt – die Aerodynamik funktioniert überraschend gut und sorgt für Fahrkomfort auf sportlichem Niveau.
Der Sitzkomfort überzeugt auf ganzer Linie. Das neu gestaltete Sitzpolster fällt etwas größer aus, bleibt aber angenehm straff und bietet durch seine griffige Oberfläche besten Halt – auch bei dynamischer Gangart. Die Ergonomie wurde im Detail weiter optimiert. Die Lenkerenden sind um 10 Millimeter näher zum Fahrer gerückt, was eine entspanntere Oberkörperhaltung ermöglicht, während die Fußrasten im Vergleich zum Vorgängermodell um 10 Millimeter nach innen versetzt wurden. Ein deutlich verbesserter Knieschluss, mehr Bewegungsfreiheit in Schräglage und insgesamt noch mehr Gefühl für das Motorrad – ideal für sportlich ambitioniertes Fahren.
Mit einer Sitzhöhe von 845 Millimetern zählt die Streetfighter zwar nicht zu den niedrigsten Maschinen ihrer Klasse, doch durch die schlanke Taille und die schmale Bauform im Bereich des Tanks findet auch der durchschnittlich große Fahrer mühelos sicheren Stand. Von außen wirkt sie mit ihrer nach wie vor bulligen Frontpartie, dem freistehenden V4-Motor und den aerodynamisch integrierten Winglets, die übrigens bei 270 km/h sagenhafte 45 kg Abtrieb erzeugen – was 17 kg mehr ist als noch bei der Vorgängerin – wie ein echter Kraftprotz. Doch sobald man Platz nimmt, offenbart sich eine fast drahtige Leichtigkeit – eine Mischung aus Kontrolle, Präzision und sportlicher Eleganz.
Unterm Strich bringt sie auch nur 189 kg fahrfertig auf die Waage, was nochmals 4 kg weniger ist als beim Vorgängermodell. Dazu noch der tiefe Schwerpunkt und die um 2,9 kg leichteren Alu-Schmiedefelgen machen aus ihr ein präzises Agilitätsmonster, ohne unruhig zu werden.

Klang mit Charakter, nicht mit Krawall
Unruhig müssen Anwohner an vielbefahrenen Motorradstrecken auch nicht werden. Zwar ist das Standgeräusch mit 105 dB(A) jenseits aller Tirol-Regeln, doch hält sich das Fahrgeräusch bei normaler Gangart vollkommen im Rahmen – mit angenehm bassig-sonoren Klang. Nutzt man allerdings das komplette Drehzahlband voll aus, wird man mit einem kernig-tiefen Sound belohnt.
Gerade für eine chillige Landpartie können am Streetfighter noch ein Tempomat, Turn-by-Turn-Navigation, ein Reifendrucksensor sowie USB-Ladebuchse zum 27.990 Euro teuren S-Modell oder dem 2.500 Euro günstigeren Standard-Modell dazu bestellt werden.
Und wenn ich mir noch was wünschen dürfte, wäre das ein Keyless-Go-System mit einem vorbereiteten Fach zur Ablage des Schlüssels bei einem Trackday. Dieser macht übrigens brutal viel Laune, sodass es nicht unbedingt eine Panigale braucht, um hier schnelle Runden drehen zu können.
Fazit – Ist sie die Beste ever?
Ja – das ist sie tatsächlich! Ducati ist mit der neuen Streetfighter V4 S ein Meisterwerk gelungen, das die Grenzen zwischen Supersportler und Naked Bike endgültig auflöst. Sie ist fast schon zu perfekt, womit man die Grenzen des eigenen Könnens weit überschreiten kann. Die Elektronik macht es einem leicht, entspannt (zu) schnell zu fahren. Die Leistung sowie Bremse sind outstanding und machen süchtig. Das Ganze in einer bequemen Haltung mit viel Kontakt zum Bike und glasklarer Rückmeldung. Optisch ist die neue Streetfighter V4 S vielleicht nicht mehr ganz so brachial-aggressiv wie frühere Generationen, doch genau diese neue, edle Linienführung unterstreicht ihren technischen Anspruch. Der wunderschön freigestellte V4-Motor ist dabei nicht nur das mechanische, sondern auch das optische Herzstück dieser Fahrmaschine. Dafür muss man allerdings auch gut 28.000 Euro anlegen – ein Preis, der angesichts der Performance der Ducati Streetfighter V4 S jedoch konsequent erscheint.

📸 Impressionen vom Ducati Streetfighter V4 S Test
👉 Bericht und Videos auch auf Motorrad & Reisen
Pro & Contra
Pro
- Tolle Leistungsentfaltung
- Brutal gute Bremse und Stabilität
- Grandios abgestimmte Elektronik
- Top Ergonomie und Windschutz
- Entspannt schnell
Contra
- Unter Volllast für Anwohner zu laut
- Lässt leicht das eigene Können überschätzen
Unterschied Ducati Streetfighter V4 zu V4 S
| Streetfighter V4 | Streetfighter V4 S | |
| Fahrwerk | Voll einstellbare Showa BPF Federgabel mit Ø43 mm und verchromten Gleitrohren; Voll einstellbares Sachs Federbein | Voll einstellbare Öhlins NPX 25/30 (SV) S-EC 3.0 Federgabel mit Ø43 mm mit TiN-Beschichtung. Zug-/Druckstufe elektronisch einstellbar; Voll einstellbares Öhlins TTX36 (SV) mit Öhlins Smart EC 3.0 Event-based Modus |
| Batterie | Standard-Batterie | leichte Lithium-Ion |
| Felgen | 5-Speichen-Aluminium | 5-Speichen geschmiedetes Aluminium |
| Sozius-/Solo Betrieb | Mit Sitzpolster; optional auf Single Betrieb umbaubar | Single Betrieb, optional auf mit Soziussitz umbaubar |
| Gewicht fahrfertig ohne Benzin | 191 Kg | 189 Kg |

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