Touratech Suspension Extreme2 – Fahrwerksupgrade für Anspruchsvolle

Touratech Suspension Extreme2 im Test: Wie viel besser fährt eine Reiseenduro mit Premium-Fahrwerk? Eindrücke aus Steinbruch, Schwarzwald und vom Travel Event 2025.

Wer mit seiner Reiseenduro nicht nur entspannt über sauberen Asphalt rollen will, sondern regelmäßig Schotterpisten, Offroad-Tracks und Touren mit voller Beladung auf dem Zettel hat, kennt die Schwächen vieler Serienfahrwerke nur zu gut. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Komfort, Reserven und Präzision nicht mehr so zusammenpassen, wie man es sich für ein wirklich starkes Reisemotorrad wünscht. Genau hier setzt das Touratech Suspension Extreme2 an.

Im Frühsommer 2025 machte ich mich mit meiner Honda Africa Twin von Stuttgart aus direkt auf den Weg zu Touratech nach Niedereschach – und schon diese Anfahrt durch den Schwarzwald war weit mehr als nur der Weg zu einem Testtermin. Frühmorgens die ersten Sonnenstrahlen, eine noch verschlafene Landschaft, unzählige Kurven und ein landschaftliches Highlight nach dem anderen – genau so fühlt sich Motorradfahren an, wenn schon die Anreise ein Erlebnis ist.

Direkt bei Touratech starteten wir anschließend in den Test, und ich konnte das neue Highend-Fahrwerk nicht nur auf der Straße, sondern auch in einem nahegelegenen Steinbruch unter richtig harten Bedingungen erleben. Danach ging es nahtlos weiter hinein ins Touratech Travel Event 2025 – in eine Welt voller Fernweh, Reiseleidenschaft und Motorradkultur. Und als ich am späten Abend, quasi schon in der Nacht, wieder den Heimweg antrat, wäre ich am liebsten noch geblieben. Zu gern hätte ich den Spirit dieses Wochenendes noch länger aufgesogen und auch das Nachtbiwak miterlebt.

Touratech Travel Event 2025: Jubiläum, Freunde, Fernweh

Das Touratech Travel Event zieht die Adventure-Community jedes Jahr in den südlichen Schwarzwald. 2025 hatte das Ganze aber noch einmal eine ganz besondere Note. Zum einen wurde das Travel Event bereits zum 20. Mal gefeiert, zum anderen blickte Touratech auf 35 Jahre Firmengeschichte zurück. Dazu kam richtig gutes Wetter – und genau das sorgte für diese herrlich lockere, offene Stimmung, die so ein Wochenende trägt.

Statt gehetztem Messetrubel fühlte sich das Ganze eher wie ein großes Treffen vieler Freunde an. Man konnte verweilen, mit unheimlich vielen Menschen quatschen, bekannte Gesichter treffen und Touratech dabei so nah erleben, wie es bei klassischen Veranstaltungen oft gar nicht möglich ist. Genau diese Mischung aus Community, Nähe und echtem Reisegeist macht den Reiz dieses Events aus.

Magische Momente unter dem Polygonzelt

Wenn auf einem Motorradreise-Event die großen Geschichten des Unterwegsseins erzählt werden, entsteht manchmal genau jene besondere Atmosphäre, die direkt unter die Haut geht. Genau so war es auch hier. Vor der imposanten Kulisse des riesigen Polygonzelts versammelte sich eine beeindruckende Community, um den Erlebnissen jener zu lauschen, die die Welt vom Motorradsattel aus entdeckt haben.

Mitreißende Vorträge, starke Bilder und sehr persönliche Geschichten entführten das Publikum auf ferne Kontinente, in Wüsten, Dschungel und Gebirge. Es wurde gelacht, gestaunt und an manchen Stellen auch einfach still, wenn ein Moment besonders tief ging. Die Nähe zwischen Bühne und Publikum war jederzeit spürbar. Es ging nicht einfach nur ums Motorradfahren, sondern um Freiheit, Mut und Abenteuer.

Und natürlich durfte auch eine Legende fürs Gelände nicht fehlen: Auf dem Event wurde unter anderem die neue BMW R 12 G/S vorgestellt. Neben der Main Stage setzte Touratech 2025 zudem erstmals auf eine zusätzliche Adventure Stage mit weiteren Live-Beiträgen und Workshops, während mit der neuen Touratech Ladies Corner auch reisebegeisterte Frauen einen eigenen Treffpunkt für Austausch und Networking bekamen, was dem gesamten Wochenende noch mehr Tiefe gab.

Auf der Straße vor dem Gebäude lebt das Event

Auf der Straße vor dem Gebäude spielte sich ein großer Teil genau jener Atmosphäre ab, die das Touratech Travel Event so besonders macht. Überall Motorräder, Zubehör, bekannte Gesichter, neue Gespräche und dieses ständige Kribbeln im Kopf, am liebsten sofort wieder loszufahren.

Unter anderem zeigten Honda, Indian, Triumph, Yamaha, BMW Motorrad, Suzuki, Aprilia, Harley-Davidson, Moto Guzzi und Royal Enfield Präsenz, flankiert von Ausrüstern und Partnern wie Metzeler, Stadler oder Cardo. Mit den offiziellen Test-Ride-Marken, zu denen auch Zero zählte, war das Gelände ohnehin stark besetzt. Honda setzte mit dem Event-Truck und dem größten Stand auf dem Gelände dabei ein besonders starkes Ausrufezeichen. Und auch Metzeler war mit großem LKW und mächtiger Präsenz nicht zu übersehen.

Genau das machte diesen Bereich so spannend: kein steriles Ausstellen, sondern ein lebendiger Treffpunkt, an dem man verweilt, schaut, quatscht und sich immer wieder neu inspirieren lässt. Laut Touratech war die Ausstellermeile erneut stark besetzt – und auch das passt perfekt zu diesem Eindruck.

Nicht nur anschauen, sondern wirklich erleben

Genau das ist ohnehin die große Stärke des Travel Events. Man läuft nicht einfach nur von Stand zu Stand, sondern kann tief eintauchen. Es gibt Workshops, Werksführungen, Gespräche, Live-Beiträge und Probefahrten, die dem Ganzen echten Erlebnischarakter verleihen.

Auf den Bühnen und im Gelände wurde 2025 ein breites Programm geboten – von Reisevorbereitung über Fotografie und Reparaturen am Motorrad bis hin zu Erste-Hilfe-Themen und Enduro-Trainings. Gleichzeitig waren die Probefahrten mit aktuellen Adventure Bikes extrem gefragt. Touratech selbst spricht davon, dass sämtliche Test Rides der vertretenen Marken an den drei Tagen ausgebucht waren. Genau das zeigt, wie hoch das Interesse war – und wie gut das Event den Spagat zwischen Festival, Treffpunkt und echter Produkterfahrung hinbekommt.

Und als ich am späten Abend, fast schon nachts, wieder aufbrach, wäre ich am liebsten noch geblieben. Zu gern hätte ich den besonderen Spirit des Events noch länger genossen und auch das Nachtbiwak miterlebt. Genau das zeigt, wie besonders dieses Travel Event ist: Es bleibt nicht beim Anschauen, sondern wirkt noch weit über den Tag hinaus nach.

Touratech Suspension Extreme2 – mehr Kontrolle, Reserven, Abenteuer

So schön der Spirit des Reisens und die Stimmung auf dem Gelände auch waren – ich war natürlich nicht nur zum Schauen und Genießen da. Das neue Touratech Suspension Extreme2 wollte gefahren werden. Wer regelmäßig abseits des Asphalts unterwegs ist, weiß schließlich, dass das serienmäßige Fahrwerk vieler Reiseenduros früher oder später an seine Grenzen gerät. Gerade dann, wenn das Motorrad fürs große Abenteuer beladen ist, trennt sich schnell die Theorie von der Praxis.

Genau hier setzt Touratech seit vielen Jahren an und entwickelt Komplettfahrwerke für unterschiedlichste Reisebegleiter, die nicht nur auf der Straße, sondern vor allem im Gelände spürbare Vorteile bringen sollen. Auf der Yamaha Ténéré 700, einer wunderbar puristischen Reiseenduro mit stetig wachsender Fangemeinde, ging es zunächst rund 80 Kilometer durch den wunderschönen Südschwarzwald – über verwinkelte Sträßchen und flotte Landstraßenabschnitte. Am Ende wartete dann noch eine spannende Kiesgrube, in der die Touratech-Entwickler ihre Spezifikationen unter realen Bedingungen erprobten.

Konsequente Weiterentwicklung mit viel Know-how im Detail

Das Extreme2-Fahrwerk basiert auf dem bewährten Extreme-System von Touratech, wurde in wichtigen Punkten aber konsequent weiterentwickelt. Besonders auffällig ist die neue externe PDS-Stufe, also das Progressive Damping System, das hartes Durchschlagen bei tiefen Schlägen zuverlässig verhindern soll. Die Technik stammt ursprünglich aus dem Rallye-Sport und passt damit perfekt zu einem Fahrwerk, das gerade dann überzeugen will, wenn es ernst wird.

Verarbeitet ist das Ganze auf höchstem Niveau: CNC-gefräste Komponenten, hochwertige und durchdacht aufgebaute Dichtungen sowie stufenlose Einstellmöglichkeiten für Zug- und Druckstufe und die Federvorspannung, die auf Wunsch sogar hydraulisch erfolgt. Dazu ist das System so aufgebaut, dass sich Verschleißteile tauschen und Servicearbeiten sauber durchführen lassen – ein wichtiger Punkt für alle, die ihr Motorrad nicht nur für ein paar Sonntagskilometer bewegen.

Lars Würdemann (Produktmanager Touratech Suspension) erklärt mir an einem Muster eindrücklich die Funktionsweise des Suspension Extreme2

Ein Blick ins Innere zeigt, wie viel Entwicklung tatsächlich im Detail steckt. Im Highspeed-Dämpfungssystem arbeitet eine auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmte Feder, die bei schnellen und harten Schlägen die notwendige Gegenkraft aufbauen muss. Entscheidend ist dabei der Ölfluss. Hier kommen zwei Kanäle zum Einsatz. Reicht die Durchflussmenge des einen Kanals nicht mehr aus, sucht sich das Öl automatisch den nächsten Weg. So kann das Fahrwerk sowohl auf feine Federbewegungen als auch auf harte Treffer sehr gezielt reagieren.

Beeindruckend ist auch, welche thermischen Belastungen dabei entstehen können – so ein Ölbehälter wird bei ernsthaftem Einsatz schnell einmal bis zu 80 Grad heiß. Ein weiteres zentrales Element ist der Trennkolben, der Dämpfungsöl und Stickstoffkammer voneinander trennt. Er verschiebt sich beim Ein- und Ausfedern nur minimal, und genau deshalb muss er im Servicefall exakt in seine Ausgangsposition zurückgebracht werden. Passiert das nicht, kann das System mit zu viel Öl befüllt werden, der Kolben schlägt an und der effektiv nutzbare Federweg wird plötzlich massiv begrenzt. Genau solche Details zeigen, dass das Extreme2 kein Lifestyle-Bauteil ist, sondern ein ernsthaft entwickeltes Werkzeug.

Praxis: Fahrgefühl auf neuem Niveau

Noch spannender als jede technische Erklärung ist am Ende natürlich das, was auf der Strecke passiert. Und genau dort liefert das Extreme2 ziemlich eindrucksvoll ab. Bereits beim ersten Einlenken fällt auf, wie deutlich das Vorderrad zurückmeldet, was unter ihm passiert. Die Maschine wirkt agiler, gleichzeitig aber auch souveräner und sortierter. Unebenheiten werden sehr präzise geschluckt, ohne dass wichtiges Feedback verloren geht.

Von Touratech voll ausgestattete Yamaha Ténéré 700 – damit kann man die Welt erobern

Gerade auf flotten Abschnitten mit schnellen Richtungswechseln liegt die Ténéré fast wie auf Schienen. Auch das Aufstellen beim Bremsen reduziert sich deutlich. Das Fahrwerk arbeitet kontrolliert, spricht sensibel an und lässt dabei enorme Reserven erkennen. Und genau die können im Gelände dann voll ausgespielt werden. Es braucht schon eine ordentliche Portion Wahnsinn, um das System wirklich an seine Grenzen zu bringen. Das Extreme2 macht aus einer ohnehin guten Reiseenduro ein deutlich schärferes, sportlicheres Werkzeug – ohne dass dabei der Komfort auf der Strecke bleibt.

Einstellbarkeit und Alltag

Besonders angenehm ist, dass Touratech das Fahrwerk individuell auf Motorrad und Einsatzzweck abstimmt. Das spart die mühsame Grundeinstellung und sorgt dafür, dass man nicht erst stundenlang klicken und schrauben muss, bevor sich überhaupt ein sauberes Grundgefühl einstellt. Über die externen Versteller lassen sich natürlich trotzdem feine Anpassungen vornehmen – gerade bei wechselnder Beladung oder anderem Gelände ein echter Vorteil.

Die hydraulische Federvorspannung funktioniert dabei leichtgängig und präzise, selbst mit Handschuhen. Ein elektronisch einstellbares Fahrwerk spielte bei unserem Testbike keine Rolle. Beim hier gefahrenen Extreme2-Setup setzt Touratech auf die klassische, manuell fein abstimmbare Lösung. Für ausgewählte BMW-Modelle zeigt Touratech mit dem semiaktiven Plug & Travel Extreme2 allerdings, dass elektronische Varianten inzwischen ebenfalls im Programm sind. Auch das ist am Ende eine ehrliche und nachvollziehbare Entscheidung.

So muss ne Yamaha Ténéré 700 nach nem Adventure aussehen – da gib´s Potential für ein Pflegeprogramm

Fazit: Premium für echte Abenteurer

Mit dem Suspension Extreme2 bringt Touratech ein Fahrwerk an den Start, das den Spagat zwischen Offroad-Performance und Tourentauglichkeit sehr überzeugend meistert. Wer seine Reiseenduro wirklich fordert – ob auf Weltreise, am Alpenpass, auf groben Schotteretappen oder auch mal auf ambitionierten Enduro-Strecken – wird die Investition sehr wahrscheinlich nicht bereuen.

Das Extreme2 liefert mehr Kontrolle, spürbar größere Reserven und ein sattes Plus an Fahrspaß. Dazu kommen eine hochwertige Verarbeitung, ein exzellentes Ansprechverhalten und die beruhigende Gewissheit, dass selbst harte Schläge dank PDS nicht sofort in hektisches Durchschlagen umschlagen. Natürlich ist so ein Premium-Fahrwerk preislich im oberen Segment unterwegs, und die Montage verlangt Fachkenntnis oder eben den Weg in die Werkstatt. Wer aber ernsthaft reist, fährt und fordert, bekommt hier kein Show-Upgrade, sondern echte Substanz. Und ja: Ein optischer Leckerbissen ist das Extreme2 am Ende auch noch.

Nach getaner Arbeit und einem sehr gelungenen Tag.

📸 Impressionen vom Touratech Travel Event und dem Suspension Extreme2 Fahrwerk
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Pro & Contra

Pro

  • Hervorragendes Ansprechverhalten
  • Kein Durchschlagen dank PDS
  • Hohe Reserven, auch im Gelände
  • Individuell abgestimmt
  • Hochwertige Verarbeitung

Contra

  • Preislich im oberen Segment
  • Montage erfordert Fachkenntnis (oder Werkstattbesuch)
Fahrerausstattung
  • X-lite X-1005 Ultra Carbon
  • Stadler Free Sport Pro Jacke
  • Stadler Air Sport Pro Hose
  • Touratech Destino Travel Schuhe
  • Held Air n Dry II Handschuhe

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