Mein erstes Rennwochenende

2008 hatte ich den ersten Rennstreckenkontakt mit dem Motorrad. Damals stellte Honda die Fireblade in Almeria vor und lud zum Testride nach Spanien ein. Bis dato konnte ich nicht verstehen, warum man ewig im Kreis fahren möchte und dafür noch richtig Geld in die Hand nahm. Aber genau bei diesem Event begann die Lust auf´s „Kreisfahren“. Ich muss gestehen, dass sicher viel an meinem damaligen Instruktor Olaf Klanke und der coolen Truppe von Bike-Promotion hing, da sie mich 2 Tage lang immer schneller werden ließ und zeigte, was alles möglich sein kann. Von da an nutzte ich viele Gelegenheiten, bis ich mich Ende 2012 dazu entschloss meine alte SC59 fix auf Rennstreckenbetrieb umzubauen.

Naja, und 8 Jahre später nahm ich also am ersten Fun-Rennen teil und kam als elfter ins Ziel. Kurz drauf holte ich am Sachsenring – zwar im Regen, aber egal – meinen ersten Sieg. Ende der Saison kam dann mein guter Freund OdenwäldeRR mit der verrückten Idee ums Eck 2017 den Hafeneger-Cup zu bestreiten. Hatte mal einige von diesen Jungs in einem anderen Rahmen erlebt und gesehen, dass die mal richtig schnell im Vergleich zu mir und dazu noch mit super Material unterm Hintern unterwegs sind. Aber gereizt hat mich der Gedanke schon, mit meiner alten Fireblade da mal einige Wochenenden mit zu bestreiten. Vor allem kommt man bei diesen Events zu richtig viel Fahrzeit und auf Strecken auf denen ich noch nicht war.

Also, kurz vor Jahreswechsel eingeschrieben und mal die ganzen Wochenenden im Urlaubskalender verplant. Schon irre viel Zeit die man da investieren muss, da oft die Anreise am Donnerstag, erstes Training am Freitag und dann jeweils ein Rennen am Samstag und Sonntag auf dem Programm steht.

Je näher das erste Wochenende rückte umso gespannter wurde ich umso mehr musste das „alte Camel“ gepimnt und optimiert werden. Hauptaugenmerk lag auf der Bremse (Danke an HRP für die Tipps und Unterstützung bei den Teilen) und beim Weglassen nicht mehr benötigter Serienteile.

Das Wochenende stand bevor und meine StreetSus entschied sich doch mich zu begleiten und ihr Osterwochenende an der Rennstrecke zu verbringen. Denn für die Mädels ist es sicher nicht immer der Traum, den ganzen Tag rumzustehen und uns Jungs zu helfen – Respekt!

Also, Gründonnerstag noch schnell ein paar Stunden am frühen Morgen gearbeitet und dann ab mit dem am Vorabend gepackten VW-Bus nach Tschechien. Musste einiges an Material mitschleppen, da ich nicht sicher war ab das Bike perfekt passte – konnte es vorher nie testen. Die knapp 700 Kilometer bis Brno liefen im Grunde recht entspannt, schnell im knapp 15 Kilometer entfernten Hotel „u Crlíků“ eingecheckt, nen kleinen Abendsnack genossen und dann kurz nach 19 Uhr ab zur Strecken, einschreiben, schnell die Box beziehen und technische Abnahme hinter mich bringen.

Nach der technischen Abnahme noch schnell den Cup-Kleber anbringen

Am Karfreitag startete dann die Cup-Saison in der zweitschnellsten Gruppe. Ja, ich hatte mich bewusst dazu entschlossen hier zu starten, da ich erst mal die Strecke und das Niveau kennenlernen und mich nicht ständig von den Vorbeifliegenden Profis erschrecken lassen wollte. Dazu konnte ich auch noch mit Mopsi-Racing Freud OdenwäldeRR zusammen fahren.

Die ersten Runden mit OdenwäldeRR im Formations- und Orientierungsflug

Erster Turn war auch gleich mal recht gut, einfach an einen weiter vorne fahrenden Instruktor orientiert und die Strecke mit einer 2:21 „aufgesaugt“. Zweiter Turn wurde dann gleich etwas flotter und mit einer 2:19 gar nicht mal so schlecht. Im dritten Turn war ich dann doch etwas genervt, weil ich irgendwie im Verkehr steckte und nicht wirklich auf ne freie und somit schnelle Runde kam – zählten diese Zeiten doch bereits als Qualifying für´s erste Rennen!

Nach dem Mittag wurde es immer flotter, der Spaßfaktor stieg

Nach dem Mittag wurden die Gruppen neu eingeteilt und OdenwäldeRR sowie ich in die schnell Gruppe hochgelupft – uiii, nun also doch mit den richtig schnellen Jungs. Naja, dachte ich mir, da steht mir dann schon keiner im Weg und mich in Gelb sehen die Jungs ja rechtzeitig zum Ausweichen bzw. drum rumfahren. Zur Mittagszeit war es dann auch deutlich wärmer – Ostern ist schon früh für Brno und teilweise recht kalt auf der Strecke – und ich hin mich einfach an die schnellen Jungs dran. Tja und am Ende stand eine 2:13:576 auf dem Tableau was mir den 22.Startplatz von 44 Startern beschert hätte. Recht gute Ausgangsbasis dachte ich so für mein angestrebtes Saisonziel einen Punkt zu holen und natürlich sitzen zu bleiben.

Ostersamstag – erster Rennsamstag. Bei noch recht frischen Temperaturen ging es gleich wieder raus zum Gefühl aufzubauen. Mit guten 2:17er lief es eigentlich perfekt, keine Rutscher, tolles Gefühl, gleich mega viel Spaß und dann………….wachte ich im Medical-Center auf, sah einen zerkratzen Handschuh, jemanden der mir eine Kanüle legte und eine mächtige Halskrause anlegte. Ganz benebelt sprach man mit mir auf Tschechisch-englisch-deutsch und verfrachtete mich ich einen Krankenwagen. Langsam wurde mir bewusst, dass es mich wohl mächtig erwischt haben musste.

Vorbereitungen zum 1.Turn am Rennsamstag – ich sollte nicht auf normalem Wege zurück kommen

Es war die Rechts Eingangs Start-Ziel, die ich wohl nicht perfekt traf und bei sicherlich weit über 150 Km/h einen mächtigen Highsider hinlegte, auf dem Rücken und Hinterkopf knallte und ins Kiesbett rutschte. Erinnern tue ich mich an nichts, an gar nichts!

Im Krankenhaus Brno, ging es dann in den Computertomographen, zum Röntgen und Ultraschall. Zwei Stunden später war klar, Rippenprellungen, eine Ordentliche Schürfwunde am Hals und Kinn sowie etwas Kopfweh aber sonst nichts – seufz. Hier hat sich die tolle Ausrüstung bezahlt gemacht und gezeigt, dass man daran nie sparen oder diesen Sport nicht betreiben darf! Danke an Schwabenleder, X-lite, Daytona und Held!

Raus konnte ich aber noch immer nicht, denn zuerst musste die Rechnung von knapp 3.600 CZK (ca.140 Euro) beglichen werden. „Haben sie eine Kreditkarte dabei“ fragte mich mein Arzt auf der rollenden Rettungsliege im Funktionsunterhemd sitzen? Da musste ich doch innerlich schmunzeln und zurückfragen nach was es denn wohl aussehe? Die wollten mich ohne bezahlen nicht gehen lassen. Musste selbst im Krankenwagen noch ein Schuldanerkenntnis unterschreiben, dass ich die 2.600 CZK überweisen würde was der Transport kostete. Und dann kam da Gott sei Dank mein Frau ums Eck und löste mich im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrer Kreditkarte aus. Großes Dank an meine StreetSus, die diese ganze Situation irgendwie entspannt und sicher meisterte – cool! Also schnell was anziehen, Taxi rufen und wieder hoch zur Strecke.

Warten auf´s Taxi vor dem Haupteingang des Krankenhauses in Brno

Zurück an der Strecke wurde ich dann überrascht – Bus perfekt vom OdenwäldeRR, Johannes und den Cupis um Jone Doe und Tina Doe gepackt und beladen. War eh ein tolles Gefühl von den ganzen Jungs und Mädels wieder begrüßt zu werden. Hier spürte man, dass unser Hobby bei allem Ehrgeiz vorne zu sein, auch sehr verbindet. Mit etwas Wehmut verfolgte ich dann das erste Cuprennen das mein Mopsi-Racing Partner mit einem tollen 17.Platz in der Cup-Wertung beendete.

Die Hafeneger-Cup Truppe 2017 in der 1000er-Klasse

Nach einem schönen Abend mit den Jungs und unseren Mädels, brachen wir am Morgen auf in Richtung Heimat. Mit der Erkenntnis, dass unser Sport mächtig viel Spaß machen, aber auch sehr Schmerzhaft enden kann und dass ich froh war die Beste Fahrerausrüstung am Start gehabt zu haben. Nun heißt es schnell wieder fit werden, Bike aufbauen und ab zur nächsten Station.

Ende des ersten Tages – da sah das „Camel“ noch richtig gut aus

Bilder:
Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, OdenwäldeRR, René Unger (Racepixx)

Kommentare (2)

  1. Gut dass nichts ernsthaftes passiert ist. Nächstes mal fährst Du dann aber ins Ziel.

  2. @Griesi: Ja Mensch, da hat mal alles an Sicherheitstechnik am Körper funktioniert. Nächstes mal will ich die Zielflagge sehen!

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