Most oder wie der Kopf die Hand bestimmt

Nach 5 Wochen Rennstreckenpause und zahlreichen Nachtschichten, stand in Most nicht nur die 2.Station des Hafeneger-Cups 2017 auf dem Programm, sondern auch mein erster Rollout nach dem heftigen Highsider in Brno. Vom Unfall an sich weiß ich nichts und im Grunde hatte ich auch keinerlei Befürchtungen wieder am Kabel zu ziehen. Aber würde es wirklich wieder so locker von der Hand gehen wie früher? Diese quälende Frage machte sich immer mehr breit, da es in 9 Jahren mein erster Sturz auf der Rennstrecke war und ich mich kurzzeitig über den Sinn meines Hobbys Gedanken machte – aber wirklich nur kurz, sehr kurz!

Also ab nach Most! Von Stuttgart aus über Chemnitz sind es gerade mal 520 Kilometer, was leicht zu bewältigen und bei untergehender Sonne durchs Erzgebirge mehr als schön ist. Kurz nach Marienberg geht´s über die Grenze nach Tschechien von wo aus gerade mal noch 65 Kilometer bis nach Most sind. Die Strecke ist erst recht spät angeschrieben und liegt irgendwie Skurril eingebettet zwischen wunderschönen bewaldeten Hügeln auf der eine romantische Burg thront sowie einem Kraftwerk mit rauchenden Schornsteinen.

Die Boxen – naja, eher Garagen – waren schnell bezogen und das Nachtquartier im VW-Bus aufgebaut. Jedes Event im Hotel geht auf die Dauer auch ordentlich ins Geld und da StreetSus diesmal nicht am Start war, durfte mein Bus als Schlafgemach herhalten. Es ist auch mal schön, so ganz allein für sich zur Ruhe zu kommen.

Unsere Box 22 in Most – von der Größe her eher eine Garage in der man mit 4 Bikes schon gut belegt ist

Die Wetteraussichten waren eher durchwachsen. Der Freitag sollte noch sehr heiß und schön sein, dafür der Samstag etwas feuchter und der Sonntag wieder besser werden – naja, ein Regenrennen würde meine Chancen steigern dachte ich so.
9 Uhr, die Motoren sind bereits warmgelaufen, Reifenwärmer runter und raus auf wieder mal einer komplett neuen Strecke für mich. Recht schnell fand ich mich zurecht und konnte mir den Streckenverlauf gut merken. Aber so richtig rausbeschleunigen aus Rechtskurven ging irgendwie nicht. Da war eine leichte Blockade vom Kopf zur Hand zu spüren – komisch. Es wurde zwar von Turn zu Turn besser, aber so wirklich frei war ich nicht. In Runde 16 passte dann aber doch irgendwie alles und ich setzte eine Zeit mit 1:46:298, was immerhin für Startplatz 18 reichte.

An meinen OdenwäleRR kam ich aber nie ran. Zum einen war er schon mal hier und zum anderen hat er mit seiner R1 irgendwie das perfekte Paket gefunden. Der Spaß in unserer Mopsi-Racing-Box war jedoch mächtig groß, denn mit Lars und seinem Kumpel Frank wurde viel gelacht. Was in einer unserer Nachbarboxen nicht gerade der Fall war. Zum einen streikte eine BMW und zum anderen sollten einige Stürze die Laune unserer Freunde noch tief erschüttern.

Auf der Jagt nach meinem Teampartner OdenwäldeRR – so nah war ich ihm selten auf der Strecke

Am Mittag setzte uns die Hitze deutlich zu und mit meine soften Bridgestone, war so keine Verbesserung mehr möglich. Also lag der Fokus auf Line und den Feinheiten der Strecke. Dies wurde am Abend beim Streckenrundgang auch nochmals vertieft, sodass ich gut gerüstet in den Rennsamstag starten konnte.

Erfreulicherweise hatte der Wetterbericht unrecht. Es wurde nur deutlich kühler – was perfekt für meine soften Bridgestone war – blieb aber trocken. Leider brachte der Samstag aber nicht nur eine Abkühlung, sondern auch heftige Stürze, die 2 Freunde wohl länger außer Gefecht setzten werden und wieder mit Nachdruck zeigten, dass man in einem Moment der glücklichste Racer sein kann und wenige Minuten später nur noch weinen möchte vor Schmerzen und den bevorstehenden Torturen.

Das alles ging mir am Nachmittag irgendwie nach, was mich deutlich ausbremste. Die erst wieder gewonnene Sicherheit aus den Ecken heraus war weg und ich dachte an das „nur nicht wieder abfliegen“ – ganz falscher Ansatz um schnell zu sein.
Dann stand also mein wirklich erstes Cup-Rennen an. Startplatz 18, irgendwie OK, ganz links an der Boxenmauer. Die Ampel geht aus, Feuer frei. Dachte ich, die Seite ist gut, da man dann in der ersten Rechts einfach innen reinhalten kann, wurde ich schnell mit den Nachteilen dieser dreckigen Seite bekannt gemacht. Mir flogen die Steine und Gummiteile nur so um die Ohren und beim Ansetzten meinen Vordermann aus zu beschleunigen, ging es immer weiter in Richtung Mauer und noch mehr Dreck, was nicht gerade zielführend war. An der Schikane knubbelte sich dann alles und ich verlor einige Plätze. Nachdem sich das Feld sortiert hatte und ich meine Partner zum Racen fand, ging es recht ordentlich rund mit einigen Überholmanövern.

4 Runden vor Schluss war ich dann wieder nahe an meinem Vordermann dran, im Windschatten die Gegengerade runter, was eher eine lange Links ist, plötzlich feiner Wassernebel vor mir, Bruchteile später ein Schlag und der Ganze Küherinhalt der R1 ergießt sich auf die Strecke, lässt meinen Vordermann spektakulär über den Lenker absteigen und zwang mich den Notausgang ins Kiesbett zu nehmen. Bis ich aus dem Kies draußen war und hinten über die Wiese fuhr, war mein Rennen gelaufen und so kam ich als letzter ins Ziel – naja, wenigstens die Zielflagge gesehen und Gott sei Dank, hatte sicher der Fahrer nicht verletzt!

Kurz nach dem Rennen stand noch ein weiter Turn auf dem Zeitplan – ach komm dachte ich mir mit OdenwäldeRR zusammen, Leistungssportler gehen auch auslaufen nach dem Wettkampf, lass uns ausfahren.

Der OderwäldeRR nach seinen ersten Punkte im Hafeneger Cup

Und schon stand der Sonntag an – 3 Turns am Morgen und dann nach einer längeren Mittagspause das 2.Rennen. Diesmal ging es von Platz 17 aus der Mitte ins Rennen. Nach einem recht guten Start orientierte ich mich diesmal nach außen und konnte so in der 2 Kurve mich innen reinstellen. Lief deutlich besser und half mir sogar 2 Plätze gut zu machen. Leider büste ich diese im Verlauf wieder ein und es entwickelte sich ein Duell um Platz 16 mit Peter Tyniec bis in die Letzte Runde. Unterm „Matadorbogen“ nahe dran, mit einem etwas anderen Winkel gut auf die Gegengerade eingebogen, rechts danebengesetzt und am Ende als erster in die letzten beiden Rechts eingebogen. Da dachte ich schon bäam – doch leider machte dann die S1000RR bäam und beschleunigte mich bis zur Ziellinie aus. Mit 0,154 Sekunden Abstand blieb dann doch nur P17.

Aus den Ecken raus ging es langsam besser

War ein spannender zweiter Cup-Ausflug, der mir gezeigt hatte, dass Profi-Racer mental mächtig gut drauf sein müssen, da sie Stürze irgendwie problemlos wegstecken und gleich wieder voll am Kabel ziehen können. Ich konnte es irgendwie (noch) nicht. Trotzdem ging es zufrieden nach Hause mit den Gedanken ans nächste Event und einem tollen Wochenende mit Freunden!

Ein glücklicher Lars (neben mir)nach seinen ersten Fun-Rennen, dazu noch die OdenwäldeRR

Bilder:
Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, OdenwäldeRRin, René Unger (Racepixx)

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