Wüstenzauber – Bridgestone T31 und A41

Ab nach Nordafrika! Mit gleich zwei neuen Gummis im Gepäck, dem Sport-Touren-Reifen T31 und Adventure-Reifen A41, ging es Mitte März nach Marokko. Ideales Terrain um die nächste Generation der Gummischmiede Bridgestone auf langen Straßenetappen mit wechselndem, teils staubigem Belägen sowie auf steinigen und schottrigen Wegen zu testen.

Unser Basislager schlugen wir auf über 1.150 Metern Höhe in Ouarzazate auf, einer gut 75.000 Einwohner Stadt 200 Kilometer südöstlich von Marrakesch. Fans der Blockbusterserie „Game of Thrones“ oder des Monumentalfilms „Gladiator“ sicher ein Begriff. Denn beide wurden hier bzw. im Umland gedreht.

Ob Bridgestone mit ihren beiden neuen Pneus den Reifen-Thron besteigen kann?

Irgendwie unaussprechlich unser Basislager in 1.150 Metern Höhe – Ouarzazate

 

In Chemie aufgepasst? Es wird neu gemischt!

Als Nachfolger des Battlax T30 Evo, der weiterhin im Produktprogramm verbleiben soll, will Bridgestone mit dem T31 und einer GT-Version für schwere Tourer im stetig wachsenden Sport-Touring-Segment weiter ganz vorne mitspielen. Wichtig für die Japaner war hier, den Nassgrip zu steigern, dabei Laufleistung und das schon immer tolle Feedback des Reifens nicht zu schmälern. Bekanntlich erreicht man tollen Nassgrip hauptsächlich über einen hohen Silica-Anteil im Reifen, was aber nicht in allen Lebenslagen Vorteile bring. Daher mussten die Bridgestone-Chemiker es schaffen, unterschiedliche Moleküle, die sich im Grunde nicht so wirklich mögen und gerne unter ihresgleichen bleiben, so zu mischen, dass jene ein optimales Zusammenwirken ihrer Eigenschaften an der entsprechenden Stelle des Reifen bringen. Bridgestone nennt diese Technologie „NanoPro-Tech“ welche im Vorderrad des T31 zum Einsatz kommt und so die Flexibilität des Reifens sowie seine Haftung bei unterschiedlichen Straßenbeschaffenheiten steigern soll.

Beim T31-Hinterreifen setzten die Japaner weiter auf ihre erfolgreiche 3LC-Technologie mit einer härteren Mischung auf der Lauffläche und einer weichen Mischung im Schulterbereich. Ergänzt wird der Mischungsaufbau mit einer sogenannten „Cap & Base“ Technik, bei der die härtere Mischung der Lauffläche, als Untergrundmischung (Base) über die komplette Fläche des Reifens gelegt wird auf der dann wiederum die weiche Mischung (Cap) des Schulterbereichs liegt. Hierdurch erreicht man eine hohe Steifigkeit sowie Belastbarkeit und entsprechenden Grip in den Kurven.

Auch beim neun Battlax Adventure A41, dem Pneu für große Reiseenduros, wurde neu gemischt. So kommt beim A40-Nachfolger nun auch die 3LC-Technologie bei beiden Gummiringen zum Einsatz sowie die „Cap & Base“ Technik am Hinterrad.

Aufbau, Mischungen und Kontaktfläche des Sport-Touring T31 und Adventure A41 Reifen

 

Der neue Fußabdruck

Profilseitig hat sich zum Vorgänger ebenfalls einiges getan. So hat der T31 im Schulterbereich etwas mehr Profilrillen erhalten, wodurch die Wasseraufnahme und damit Verdrängung erhöht wurde. Im Mittelteil des Hinterrades hingegen, wurden das Negativprofil leicht reduziert um die Stabilität besonders bei hohen Geschwindigkeiten zu erreichen. In Punkte Kontaktfläche, also jene Fläche zwischen Reifen und Straße, hat Bridgestone satte 7 Prozent zugelegt was insbesondere in Kurven ein mehr an Grip und Sicherheit bietet. Bei internen Testfahrten soll der T31 im Vergleich zum Vorgänger im Nassen einen höheren Reibungskoeffizienten aufweisen, welcher die Reibkraft im Verhältnis zur Anpresskraft beschreibt, und so eine um 3 Prozent bessere Rundenzeit ermöglicht haben.

Beim A41 sind die Verbesserung laut Bridgestone noch viel gravierender. Denn durch die verbesserte Profilaufteilung mit stabileren Einzelsegmenten und des neuen Gummiaufbaus, erreicht der Adventure-Pneu angeblich 5 Prozent mehr Kontaktfläche, eine um 9 Prozent höheren Nassgrip und in Punkto Rundenzeiten im Nassen eine Verbesserung um satte 8 Prozent (im trockenen soll dies wohl im zweistelligen Prozentbereich liegen) zum Vorgängermodell.

Und trotz oder gerade wegen diesen ganzen Verbesserungen, sollen beide Reifen weiterhin ihre hohe Laufleistung abliefern und dies bei deutlich gestiegener Performance.

 

Das Wüstentestprogramm

Bridgestone hatte keine Mühen gescheut und über 60 Motorräder von Händlern und Importeuren aus ganz Europa auf 2 mächtigen LKWs nach Marokko gekarrt. So standen für die kommenden zwei Testtage eine breite Palette aktueller Bikes zur Verfügung.

Für den ersten Tag waren wir in die Sport-Touren-Gruppen eingeteilt und durften den T31 gut 330 Kilometern auf handlichen leichten Crossover-Bikes aber auch mächtigen Tourern erleben. So reichte die Palette von einer Yamaha MT-07 über Kawasaki Versys 650 oder Honda VFR 800 F bis hoch zur KTM 1290 Super Duke GT oder BMW R 1200 RT.

Yamaha MT-07 Tracer, Kawasaki Versys 650 und Versys 1000, Honda VFR 800 F und CB1100 RS, Ducati Multistrada 1200 S, Yamaha FJR 1300, KTM 1290 Super Duke GT, BMW S 1000 XR, R 1000 RS und R 1200 RT sowie eine Suzuki GSX-S 1000 F

Am zweiten Tag sollte es dann staubiger zugehen und wir in ein Wüsten-Adventure auf großen Reise-Enduros starten. So waren unter anderem die Honda Africa Twin, Triumph Tiger 1200 XCA, KTM 1290 Super Adventure in der S und R Version sowie eine Suzuki V-Strom 1000 oder BMW R 1200 GS Adventure mit A41 besohlt.

Sicher werden die wenigsten Besitzer dieser Reiseenduros, ihre Schätze durch groben Schotter und über hartes Gestein jagen. Doch hierfür ist der A41 ebenfalls gewappnet und so sollte es gut 60 Kilometer in den Dreck gehen bevor er auf 230 Asphaltkilometer seine Reisetauglichkeit unter Beweis stellen durfte.

Honda CRF 1000 L Africa Twin, Triumph Tiger 800 XCA und Tiger 1200 XCA, Suzuki V-Strom 1000, KTM 1290 Super Adventure S und R sowie BMW R 1200 GS Adventure

 

Start ins Wüstenabenteuer mit der BMW S 1000 XR

Noch vor Kurzem hatte ich meine erste Begegnung mit der S 1000 XR. Damals kam ich in einem kurzen und flotten Turn nicht so wirklich klar mit ihr – also musste dies hier aus der Welt geschaffen werden.

Durch den anarchischen Stadtverkehr ging es schnell hinaus auf´s karge Land. Die Straßen waren überraschend gut, jedoch häufig mit Ölspuren verschmutzt da auf den wenigen asphaltierten Strecken quasi alles darüber rollt was in Marokko fährt und hier nehmen Fahrzeuge am Straßenverkehr teil, die in unseren Breiten auf eine Wiederverwertung warten würden. Dazu gab es immer wieder staubige Stellen durch die wüstenartigen Landstriche rechts und links des gefühlt endlosen Asphaltbandes.

Kombination Bridgestone T31 und BMW S 1000 XR harmonisieren tadellos.

Tradition in Marokko – Tee mit Minze

Irgendwie Probleme machten diese Verunreinigungen dem T31 jedoch nicht. Sicher und entspannt cruisten wir mit einem grandiosen Blick auf das schneebedeckte Hohen Atlas Gebirge dahin. Schnelle langgezogene Kurven brachten die S 1000 XR genau so wenig aus der Bahn, wie provoziertes überfahren staubiger Stellen mit entsprechendem Gaseinsatz.

Nach einer kurzen Tee-Pause wurde es deutlich kurviger und wir flitzen über kleine teils verwinkelte Bergpässe, wo Reifen und Bike weiter glänzten. Extrem harmonisch und mühelos ging es von einer Ecke in die Nächste, ordentlich Zug an der Kette setzte der T31 ohne Zuhilfenahme der Traktionskontrolle in Vortrieb um. Musste die Fuhre mal ordentlich zusammenbremsen werden, tat sie dies ohne Sperenzchen und nachhaltig auf den Punkt. Selbst beim tiefen hineinbremsen in die Kurve, gab es kein Aufstellmoment sowie ein tolles Gefühl für´s Vorderrad (trotz des langen Federweges der XR).

 

Powercruising mit der Ducati Multistrada 1200 S

Nach dem Mittag ging es auf einem weiteren drehmomentstarken Bike weiter – der Ducati Multistrada 1200 S. Hier setzte sich der gute Eindruck weiter fort. Aus engen Ecken raus mächtig Grip, auf der Bremse sehr präzise und stabil, in schnellen Kurven durchweg harmonisch und auf schlechteren Straßen sehr komfortabel. Und wieder fiel auf, dass selbst bei leicht sandiger Strecke, das Vorderrad weiter guten Grip aufbaute. Stimmt also die Bridgestone-Marketing-Aussage, dass durch den veränderten Molekülaufbau – „NanoPro-Tech“ – im Vorderreifen, die Haftung bei unterschiedlichen Straßenbeschaffenheiten verbessert wurde?

Auch wenn´s sportlicher wird, spiel der T31 ganz vorne mit

Inzwischen war es spät geworden und der letzte Fotopunkt abgehandelt, nun ging unser Tourguide Dave Freeman etwas sportlicher ans Drosselklappenspiel und so pfiffen wir über den letzten Pass. Selbst jetzt gab sich der T31 keine Blöße und ich fragte mich unterm Helm mehrfach: „Braucht es für die Straße wirklich noch Hyper-Sport-Reifen?“

 

Insider – Was man beim Lauschen alles aufschnappt

Insidergespräch zwischen Gerhard (li) und Tim (re)

Nach einer tollen Tour, belohnte sich die Truppe mit einem kühlen Kaltgetränk. Zusammen mit Tim Röthig, der uns den Tag immer im Hintergrund zusammenhielt und bei Bridgestone Deutschland für Medien und Homologation zuständig ist, plauderte mit GasgriffSalat-Macher Gerhard über die „wirklichen“ Änderungen vom T30 Evo zum T31 – da bekam ich natürlich lange Ohren. Dabei schnappte ich auf, dass die Karkasse natürlich weiterhin im Null-Grad-Stahlgürtel aufgebaut ist, die gravierende Änderung jedoch im Umschlag der Seitenteile sowie im Füller liegt. Grundsätzlich wurde die komplette Kontur überarbeitet und an den Seiten weicher gestaltet. Bei den Mischungen wurde sehr viel geforscht und entwickelt, so dass er hier den größten Fortschritt sehen würde. Dadurch würde auch der Nassgrip deutlich besser sein. Insgesamt merkte man Tim an, dass er mächtig Happy mit den neuen Gummiringen ist und wir hier nicht nur Marketing erleben.

 

Es braucht keine Stollenreifen, um im Dreck gut vorwärts zu kommen

Zweiter Tag, die rötliche Sand- und Gesteinslandschaft wartete auf uns. Mit der Africa Twin ging es direkt am Ortsende südwärts auf eine gut 60 Kilometer lange Schotter und Sand-Piste. Die Sonne brannte bereits erbarmungslos auf uns wintergeplagten Mitteleuropäer nieder und brachte jede Schweißdrüse am ersten Fotostopp mächtig zum Arbeiten.

Für uns selbstverständlich vorhandenes Wasser in Halbliterflaschen, nahm eine Familie die in ihrem 40 Jahr alten GTI während der ersten Fotorunde warten musste so dankbar an, dass ich dachte es wäre Weihnachten für sie – sowas erdet einen irgendwie und regt zum Nachdenken an.

Hinterlässt mächtig Spuren der A41

Nachdenklich stimmt einen der A41 nicht. Es war erstaunlich welchen Grip solch ein Pneu auf losem Untergrund mit den wenigen größeren Profilrillen aufbauen konnte und wie zügig es voranging. Extrem überraschte die tolle Führung der Vorderhand bei losem und tiefen Schotter. Sicher auch ein verdienst der Afrika Twin, die perfekt ausbalanciert selbst mit Koffer und DCT wirkt. Beim Blick auf´s Hinterrad erwartete ich deutlich sichtbare Spuren der Beanspruchung durch die teils spitzen Steine, doch hier war nicht wirklich viel zu sehen.

Auf der weiterführenden Landstraßenrunde, überraschte der Adventure-Reifen weiter mit hervorragendem Grip und harmonischen Fahreigenschaften. Egal ob auf der Triumph Tiger 1200 XCA, KTM 1290 Super Adventure S oder einer mächtigen BMW R 1200 GS Adventure, der A41 brachte einen dort hin wo man es wollte. Trotz des sehr robusten Gummis kam genügend Feedback oben an, sodass wir durch ein wunderschönes Tal mit abschließender Bergankunft den Reise-Adventure-Bikes ordentlich die Sporen geben konnten.

Mit der Africa Twin entspannt übers Land cruisen

 

Wüstenfazit

Die Arbeit an und mit den Molekülen hat sich gelohnt, denn beide Reifen kommen mit unterschiedlichen Straßenbeschaffenheiten sehr gut klar – ok, Regen konnten wir nicht erleben, wobei ich es den Menschen hier gönnen würde. Beim A41 überzeuge neben dem Grip auf Asphalt und den neutralen Fahreigenschaften, das Potential auf Schotter. Potential für einen sportlichen Landausflug zeigte hingegen der T31 und stellte mit seinen Qualitäten die Frage in den Raum ob es ein Mehr auf der Straße überhaupt noch braucht.
 

Bilder: Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, Michael Bense, Bridgestone

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