Bridgestons nächster Streich – der Hypersport Battlax S22


Es ist gerade mal 3 Jahre her, da stellte Bridgestone ihren Hypersportreifen S21 vor und setzten mit ihm neue Maßstäbe bei Sportfahrern in Punkto Grip und Nässeperformance. Nun legen die Japaner noch einen drauf und honorieren die immer stärker werdende Supersportgemeinde mit einem komplett neu konstruierten Battlax Hypersport S22 Pneu, der nur noch die Form seines Vorgängers gemein hat. Auf dem Circuito de Jerez durften wir bei hervorragenden äußeren Bedingungen den neuen Sprössling auf teilweise brachialen Bikes testen.

Immer wieder ein beeindruckender Anblick, wenn in der Boxengasse unzählige geile Bikes auf Dich warten

Erster Kontakt mit dem S22

Leider benötigt es nicht nur wegen der Straßenzulassung eine Profilierung. Diese sollten optisch jedoch einem Supersportler gerecht werden, was Bridgestone beim S22 sehr gut gelungen ist. Das sogenannte Negativprofil fällt eher dezent aus und der quasi Slickbereich an den Seiten gibt eine klare Ansage aus nach „wir werden Spaß haben“ aus.

Dennoch stellt Bridgestone den Vorgänger nicht ins Museum – warum auch? Ist er noch immer ein ausgezeichneter Reifen, der seine Qualitäten in allen Bereichen unter Beweis stellte. Der Battlax S21 sowie der BT-016 Pro sind weiterhin als günstigere Alternativen verfügbar.

KTM 1290 Super Duke R reißt mit brachialem Drehmoment am S22

Im ersten Turn durfte KTMs Beast an den Start. Und so biss sich der Reifen gleich mal ordentlich in den neuen Asphalt der MotoGP Strecke von Jerez de la Frontera. Bereits in Kurve 2 – man wollte ja dem Vorausfahrenden „Texas Tornado“ Colin Edwards folgen – wurde klar, dass dies heute ein sehr sportlicher Test werden würde. Der Grip war vom Stand weg extrem gut und insbesondere das Vorderrad machte einen sehr transparenten und bärenstarken Eindruck. Beim sportlichen ausnutzen der 141 Newtonmetern wurde die Front oftmals leicht, was teilweise zu leichtem Pendeln führte, dass der S22 aber hervorragend einfing und einen so nie ans Gas rausnehmen denken lies.

Gleich mal mit dem Drehmoment-Monster am Werk – KTM Super Duke 1290 R

Total Control für den S22 mit der Fireblade SP

Als zweiter Testkandidat war die Fireblade SP an der Reihe. Hondas Werbeslogan „Total Control“ passte hier wie die Faust aufs berühmte Auge. Der S22 harmonierte so hervorragend mit der Fireblade, lenkte spielerisch aber nicht irgendwie nervös ein, blieb auch auf der Bremse extrem stabile und gab einem ein tolles Gefühl in Schräglage. Durch die neuen Modis der 2019er Blade, bei dem man nun Traktions- und Wheeliekontrolle einzeln justieren kann, war es ein Genuss das Bike um die Ecken zu zirkeln.

Tolle Harmonie mit der 2019er Fireblade SP und ihrer optimierten Elektronik

Die Mischung macht´s – 2 vorne und 3 hinten

Inzwischen geht nahezu kein ambitionierter Reifen mehr mit einer Mischung an den Start. Bridgestone setzt hier bereits seit dem S21 auf deren 3 am Hinterrad und 2 am Vorderrad. Mit dem sogenannten „Layer Compound“ 5LC hinten und 3LC vorne, beschreibt Bridgestone die einzelnen Zonen.

Hier darf man sich nicht verwirren lassen, wenn von 5 Zonen die Sprache ist, denn es sind hinten eigentlich nur 3 Mischungen – die festere auf der Lauffläche mit nun 25% mehr Silica Anteil, was den Nassgrip deutlich steigern soll und sicher wird. Dazu eine etwas weichere Zone im normalen Schräglagenbereich für ordentlich Traktion und eine nahezu Slickzone für den Grenzbereich. In Kombination mit dem neu Konstruierten Profilbild, ergibt sich so noch mehr Kontaktfläche zum Asphalt als beim Vorgänger.

Vorne genügen weiterhin 2 Mischungen, die unterstützt durch die Mono-Spiral-Gürtelkonstruktion und dem Bridgestone HTSPC-Gürtel dem Vorderrad eine angenehme Steifigkeit auf der Bremse aber dennoch genügend Flexibilität beim Einlenken bieten soll. Auch hier konnte man durch neuartige Mischungen, die Kontaktfläche deutlich erhöhen.

Thema Nassgrip konnten wir zwar nicht testen. Wobei es auf der Strecke anfangs ein nasser Fleck auf der Ideallinie lag, auf dem man ohne irgendwelche Einwirkungen voll drüberziehen konnte.

Die unterschiedlichen Zonen und Mischungen des Battlax S22 (links: vorne / rechts: hinten)

Ducati Panigale V4S fordert dem S22 alles ab

Im dritten Umlauf durfte die Ducati Panigale V4S – das wohl stärkste Bike im Testerfeld – den S22 quälen. Bewusst ging es in Kurve 4, einer langen schnellen Links die am Ende öffnet, gleich mal mehr ans Gas als notwendig, sodass mit Unterstützung der Traktionskontrolle ein gefühlter Drift entstand – Mega! Zwar fördert dies nicht unbedingt die Rundenzeiten, dafür aber den Spaß. Möglich machte dies der sehr gutmütig eintretende Grenzbereich des S22. Und vorne? Grenzbereich? Den gab es bisher nicht! Auch auf der Panigale harmonierte das Vorderrad hervorragend und brachte die Italienerin genau dorthin wo man sie haben wollte.

Tolles Reifenbild auf der Ducati Panigale V4S

Deutliche Verbesserung zum S21 auf der S1000RR

Im vierten Durchlauf war BMWs neuer Supersportler S1000RR dran. Konnten wir doch unlängst bei ihrer Präsentation den S21 noch fahren und so quasi den direkten Vergleich haben. Und der war eindrucksvoll. Die S1000RR fährt mit dem S22 noch präziser und leichtfüßiger. Sie lässt sich sehr agil umlegen und bleibt bei harten Bremsmanövern sehr zielgenau. Hier war deutlich zu spüren, welchen Fortschritt die Japaner mit ihrem Pneu gemacht haben.

Der Battlax S22 macht die eh schon super fahrbare S1000RR noch besser

S21 vs. S22 – das sind die nackten Daten

Höher schneller Weiter – so bewerben alle ihre Produkte. Da verwunderte es, das Bridgestone dem S22 dieselbe Lebensdauer wie seinem Vorgänger attestiert, wobei er dafür in allen Bereichen mehr Performance bieten soll. Bei internen Tests konnten im trockenen 1,2% und im nassen gar 5% schnellere Rundenzeiten erzielt werden. In Sachen Kurvenspeed waren sogar 15% mehr möglich. Die reinen Werte konnten wir zwar nicht verifizieren. Gefühlt war man für einen Straßenreifen aber extrem schnell und dabei noch entspannt unterwegs.

Verfügbar ist der S22 bereits seit Januar in allen gängigen Größen von 160/60 bis 200/55 hinten und 120/70 vorne. Ab 2020 kommen noch 140/70 sowie 150/60 und 180/60 vorne und 110/70 hinten hinzu. Freigaben gib´s dadurch auch bereits unzählige. So war beim Test unter anderem auch bereits die neuen Modelle von Kawasaki (Ninja ZX-6R) und Honda (CBR650R und CB650R) mit dem S22 bereift.

Den Bridgestone Battlax Hypersport S22 gibt´s bereit für unzählige Bikes seit Januar 2019

Tolle Kombination für die GSX-R1000R

Unter der südspanischen Mittagssonne durfte die Suzuki GSX-R1000R im fünften Umlauf an den Start. Und auch auf diesem Supersportler funktionierte der S22 tadellos. Hatte man bei manchen Reifenvarianten auf der Kilo-Gixxer manchmal eine intransparente Front, konnte nun tief und entspannt in Kurven hineingebremst werden, sehr agil umlegt und das Gas wieder voll angelegt werden. Meine wohl besten Runden mit der Suzuki!

Tolles Zusammenspiel – der Battlax S22 passt perfekt auf die GSX-R1000R

Finale mit der Fireblade SP

Inzwischen war es nach 17 Uhr, letzter Turn für Mensch, Maschine und Reifen. Der S22 war auch bereits gezeichnet von den Strapazen des Tages – 6 Truns in 3 Gruppen, also 18 mal Limit für den Gummi – und nahe der Verschleißgrenze. Nochmals die Fireblade, alle Helferlein auf schwächste Stufe und Gas! Die Performance war wie am Vormittag. Der Hinterreifen hält sein Niveau bis zum Schluss und vorne macht er einfach nur Spaß und steckte die Strapazen locker weg.

Bis zum Schluss eine tolle Performance mit dem Bridgestone Battlax Hypersport S22

Fazit

Da hat Bridgestone an den richtigen Molekülen gedreht und einen Gummi gebrannt, der so einiges auf der Strecke zulässt. Insbesondere das Vorderrad war auf allen gefahrenen Bikes hervorragend transparent, zielgenau, agile und auf der Bremse sehr stabil. Dabei bot es jede Menge Reserven und schuf so schnell Vertrauen. Der hintere Pneu kam mit aller Art der Leistungsentfaltung extrem gut zurecht, glänzte durch einen sehr gutmütigen Grenzbereich und hohem Gripniveau, mit dem er sich so manchem Einsteigerslick stellen könnte. Wenn man nun bedenkt, dass wir hier von einem Straßenreifen sprechen, der unter allen Bedingungen arbeiten muss, dann ist der S22 schon großer Sport mit dem man locker auch mal einen Trackday bestreiten und danach entspannt heimfahren kann.

Bilder vom Bridgestone Battlax Hypersport S22 Test in Jerez
Bilder: Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, Bridgestone, Jonathan Godin, Arnau Puig, Henny Berno Stern

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