Schnellglüher – der Dunlop SportSmart2 MAX

Inzwischen haben alle Reifenhersteller einen supersportlichen Pneu für die Straßen im Angebot um den wieder wachsenden Markt von Supersportlern und Power-Naked-Bikes adäquat für den Alltagseinsatz besohlen zu können. Dunlop schickt hier seit Jahren den SportSmart ins Rennen, der nun in einer weiter optimierten Form als SportSmart2 MAX auf sportliche Landpartien wartet.

Für die Präsentation haben sich die Dunloper den wunderschönen Spessart ausgesucht, der mit unzähligen kleinen und verwinkelten Straßen die teilweise nach einer Erneuerung schreien sowie kurzen zügigen Verbindungsstücken, genau auf dem Terrain spielt auf dem ein Alltags-Supersport-Reifen sein Können immer wieder zur Anwendung bringen muss. Bereit standen für die gut 270 Kilometer quasi alle möglichen aktuellen Bikes bis auf Ducati. Ich persönlich fokussierte mich auf – na wen wundert’s – die Neue Honda Fireblade SP sowie Triumph Street Triple RS, da ich beide Bikes schon sehr oft mit unterschiedlicher Bereifung über die Landstraße bewegen durfte und somit die Konzentration voll auf dem Reifen lag.

In allen Bereichen legt der SportSmart2 MAX (teilweise deutlich) zu

Maximale Detailarbeit

Schlechte Reifen gibt es heut zu Tage auf diesem Niveau von namhaften Reifenherstellern nicht mehr. Alle schöpfen aus dem Erfahrungsschatz einer langen Firmengeschichte und holen sich die neusten Ideen aus den unterschiedlichen Rennserien die sie unterstützen. Dunlop kann hier auf ihre langjährige Erfahrung in der Moto2 sowie beim Road-Racing und der Endurance-WM EWC zurückgreifen sowie Erfolge feiern (Michael Dunlop – Sieger der Isle of Man TT 2017 auf Dunlop).

Gerade aus dem Langstreckensport und Road-Racing, leiten sich die Qualitäten des neuen SportSmart2 MAX ab, denn hier spielt gleichbleibender maximaler Grip über eine extrem lange Zeit sowie ein immer neutrales Verhalten bei jedem Verschleißzustand eine essentielle Rolle, die am Ende mit über Sieg oder Platzierung entscheidet, über kontrollierte Drifts an der Haftgrenze oder den Abflug ins Kiesbett.

Genau am Punkt Laufleistung hat Dunlop angesetzt und ihrem Vorderrad wohl mächtige 25% mehr Haltbarkeit verschafft, was bei den immer mehr vorderradorientierten Bikes extrem wichtig wird. Denn inzwischen leidet das Vorderrad bei einer sportlichen Alpentour, durch das späte und tiefe hineinbremsen in Kurven, deutlich mehr als früher. Um dies zu erreichen hat Dunlop das Vorderrad nicht nur etwas optimiert, sondern mit einer neu konstruierten Karkasse aus hochfestem Rayon Kunstfasergewebelagen sowie neuem Jointless Belt aus Aramid versehen, was die dynamische Ausdehnung des Profilzentrums bei High-Speed deutlich reduzieren soll. Selbige Grundkonstruktion finden wir aktuell auch schon beim RoadSmart3, der dadurch – und dies versprechen die Dunlop-Entwickler hier auch – eine extrem kurze Aufwärmphase benötigt.

Optisch ist das „Max“ Vorderrad nicht unbedingt von seinem Vorgänger zu unterscheiden, hat er doch nur minimal weniger Negativprofil und quasi dieselbe Profilzeichnung. Doch stellt man beide Räder nebeneinander und blickt Frontal drauf, so stellt man fest, dass der „Max“ seine Rundlichkeit im Querschnitt zu Gunsten einer etwas flacheren Kontur an der Schulter verloren hat. Hierdurch soll ein stabilere Fahrlage in größerer Schräglage sowie reduziertes Aufstellmoment erreicht werden.

Auf den ersten Blick kaum vom Vorgänger zu unterscheiden – nur etwas weniger Negativprofil und quasi ähnliche Profilzeichnung

Und hinten? Auch hier haben die Dunloper Hand angelegt und im Reagenzglas an ihrer Mischung gearbeitet. So sollen sich nun die Silica-Teilchen mit der Tri-Polymer-Mischung deutlich besser mischen und gleichmäßiger Verteilen – man muss hier wissen, dass beide Stoffe im Grunde recht ungerne sich als Nachbar dulden. Des Weiteren wurde die Multi-Tread-Lauffläche optimiert sodass Dunlop ihrem neuen Sprössling gut 10% mehr Laufleistung am Hinterhand verspricht, was bei einer durchschnittlichen Laufleistung des Vorgängers von über 4.000 Kilometern nicht von der Hand zu weisen ist.

 

Maximales Vertrauen ins Vorderrad

Bei herrlichen äußeren Bedingungen ging es auf der Fireblade SP in der flotten Gruppe gleich mal raus in eine verschlafene Waldpassage mit durchschnittlicher Asphaltqualität. Unser Vordermann – Dunlop Testfahrer – lies die frische Luft ordentlich durch seine Drosselklappen ziehen. Als letzter in der Gruppe bedeutet dies dann, dranbleiben und bloß nicht abreißen lassen. Also ging es vom Start weg gleich gut zur Sache und hier überraschte mich das wirklich sofort anliegende Gripniveau des Vorderrades. Absolut neutral und sehr geschmeidig, aber doch stabil und auf den Punkt ging es um und in die Ecken hinein, Aufstellmomente Fehlanzeige. Man hatte wirklich das Gefühl, dass der Reifen mit wenigen Metern auf Betriebstemperatur kommt.

Extrem positiv fiel hier auch die Eigendämpfung auf. Sicher arbeitet das elektronische Fahrwerk einer Fireblade SP so perfekt, dass es jegliche Unebenheiten sanft aufnehmen dann, doch kann es auch nur dann anspringen, wenn der Reifen diese entsprechend überträgt. Insbesondere am Nachmittag, als die Street Triple RS auf dem Programm stand, bestätigte sich dieser erfreuliche Eindruck.

Bietet vom Start weg tollen Grip

Ist das vertrauen am Vorderrad da, so wagt man immer mehr, bremst noch tiefer und später in Kurven hinein und liegt natürlich auch tiefer in selbigen. Es entsteht ein gewisser Fluss der natürlich auch die Gashand lockert und zu entsprechenden Bewegungen bringt. Und auch hier gibt sich der „Max“ keine Blöße. Sicher und nachhaltig zieht er aus den Ecken, und bringt die Traktionskontrolle auf Stufe 4 von 9 so gut wie nicht zum Arbeiten. Nur bei wirklich sehr optimistischer Schräglage und Gasanlage – es ging durch die Fotokurve mit einigen Belagsänderungen – kann es mal zu den sogenannten „großen Momenten“ kommen. Hier wird man dann doch wieder daran erinnert, dass wir nicht auf der Rennstrecke uns bewegen und es sich um einen Straßensportreifen handelt.

Funktioniert auf der Street Triple RS hervorragend

Maximal schnell auf Betriebstemperatur

Und der SportSmart2 MAX ist wirklich schnell auf Betriebstemperatur. Mussten wir doch gut 40 Minuten auf unseren Photographen warten, der auf einer Umleitung im Verkehr hängen blieb, um noch ein paar schöne Fahrfotos zu schießen. Vom Stand weg, kurz gewedelt, ging es in eine schnelle Rechts – grandioses Gefühl! Das Vorderrad tut genau das was man will und von hinten kommt ordentlich Vortrieb.

Sicher ein Verdienst der neuartigen Mischung mit entsprechendem Silica-Anteil, die zum einen für guten Nassgrip sorgen wird und zum anderen recht schnell erwärmt bzw. auch bei tieferen Temperaturen tolle Performance liefert. Für die Straße optimal, für einen Ausflug auf die Rennstrecke aber wahrscheinlich nicht unbedingt auf Dauer geeignet, da hier der Reifen sicher schnell überhitzen wird.

Hier fühlt sich der SportSmart2 MAX richtig wohl

Fazit

Der SportSmart2 MAX ist mit Sicherheit ein top Begleiter auf flotten Landstraßenfahrten, welcher mit der entsprechenden Leistungsentwicklung heutiger Supersport-Bikes und Power-Naked-Bikes super zurechtkommt. Insbesondere seine Neutralität und Leichtigkeit, sowie die sehr gute Eigendämpfung, lassen einen entspannt und sicher Speedcruisen. Hinzu kommt noch, der er preislich teilweise deutlich unter seinen direkten Konkurrenten liegt, was in Verbindung mit der entsprechenden Laufleistung sicher ein gutes Kaufargument bietet.

Der SportSmart2 MAX – ein top Begleiter auf flotten Landstraßenfahrten

Text:
Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘

Bilder:
Rainer Friedmann ‚Kraftrad‘, Gerhard Rudolph ‚Buenos Dias‘, Dunlop

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