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Es gibt Motorräder, bei denen man sich schon vor dem Aufsteigen fragt: Wozu braucht man das eigentlich?
120 PS, 880 Millimeter Sitzhöhe, breiter Lenker, kaum Windschutz und schon im Stand die klare Ansage: Ich will spielen! Genau so ging es mir mit der neuen Ducati Hypermotard V2 SP. Ein Motorrad, das auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Vernunft schreit – dafür aber umso mehr nach Spaß.
Nach einem Tag auf dem Autodromo di Modena hatte sich meine ursprüngliche Frage allerdings ziemlich schnell erledigt. Denn aus „Wozu?“ wurde irgendwann nur noch ein „Warum eigentlich nicht?“

120 PS treffen auf nur 177 Kilo
Ducati hat die neue Hypermotard nicht einfach nur überarbeitet, sondern praktisch komplett neu aufgebaut. Herzstück ist der neue 890-cm³-V2 mit 120,4 PS und 94 Nm. Die für Ducati lange so typische Desmodromik ist Geschichte, stattdessen arbeitet der neue Motor mit konventionellen Ventilfedern.
Viel wichtiger als die reine Spitzenleistung ist aber, wie der V2 seine Kraft abliefert. Schon untenrum steht richtig Druck zur Verfügung, die Mitte ist kräftig und direkt, und oben dreht der Motor herrlich frei heraus.
Gas auf, der V2 schiebt an, das Vorderrad wird leicht, nächster Gang, nächster Bremspunkt und wieder rein in die Kurve. Genau diese Direktheit passt perfekt zur Hypermotard. Man hat nie das Gefühl, viel zu viel Motorrad unter sich zu haben, sondern kann einen erstaunlich großen Teil der vorhandenen Leistung tatsächlich nutzen.
Fast noch wichtiger ist das Gewicht. Die SP bringt fahrfertig ohne Kraftstoff gerade einmal 177 Kilogramm auf die Waage und ist damit rund 14 Kilo leichter als ihre Vorgängerin.
Und diese Kilos spürt man nicht erst auf dem Datenblatt, sondern bei praktisch jeder Bewegung. Beim Einlenken, beim schnellen Umlegen und vor allem dann, wenn man die Linie mitten in der Kurve noch einmal leicht korrigieren möchte. Die Hyper fühlt sich unglaublich leichtfüßig an, ohne dabei nervös zu werden.
Draufsitzen, wohlfühlen und los
Mit meinen 1,93 Metern habe ich mich auf der Hyper praktisch sofort zuhause gefühlt. Die 880 Millimeter Sitzhöhe klingen zunächst zwar ziemlich ordentlich, durch den schmaleren Schrittbogen kommt man aber besser zum Boden, als es die reine Zahl vermuten lässt.
Die Sitzposition ist hoch, aufrecht und sehr weit vorne. Gefühlt sitzt man fast direkt über dem Vorderrad, bekommt dadurch aber auch unglaublich viel Gefühl für die Front. Zusammen mit dem breiten Lenker entsteht genau diese aktive Sitzposition, die hervorragend zum Charakter der Hypermotard passt.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich mich daran erst einmal gewöhnen muss. Das Gegenteil war der Fall: Aufsteigen, Helm zu, losfahren – und nach wenigen Kurven fühlte sich das Ganze völlig selbstverständlich an.
Auch die Sitzbank hat mich überrascht. Sie bietet genügend Halt, ohne einen regelrecht festzukleben, sodass man sich beim aktiven Fahren problemlos bewegen kann. Und genau da kam mir irgendwann der erste Gedanke: Warum eigentlich nicht mit so einem Teil auch mal ein paar Tage auf Tour gehen?

Modena: die perfekte Spielwiese
Das Autodromo di Modena passt nahezu perfekt zu diesem Motorrad. Keine kilometerlangen Geraden und keine Hochgeschwindigkeitsorgie, sondern viele Kurven, enge Passagen, klare Bremspunkte und schnelle Richtungswechsel.
Genau dort blüht die Hypermotard auf. Hart anbremsen, das Heck leicht werden lassen, das Motorrad in Richtung Kurve stellen und anschließend wieder herausbeschleunigen – nach wenigen Runden beginnt man automatisch, immer stärker mit ihr zu spielen.
Und genau das ist vermutlich die größte Stärke der Hyper: Sie macht aus Motorradfahren wieder Spielen.
Es geht nicht um maximale Endgeschwindigkeit, nicht um die letzte Zehntelsekunde und auch nicht darum, mit möglichst viel Leistung möglichst schnell über die nächste Gerade zu fliegen. Es geht vielmehr ums Bremsen, Einlenken, Umlegen, Beschleunigen – und um dieses permanente Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.
Dabei vermittelt die Ducati erstaunlich schnell Vertrauen. Sie reagiert direkt auf jede Eingabe, bleibt aber jederzeit nachvollziehbar und gibt sehr klar zurück, was gerade unter einem passiert. Genau deshalb dauert es nicht lange, bis die Bremspunkte später und die Kurveneingänge immer frecher werden.
Elektronik, die den Spaß nicht wegregelt
Natürlich steckt in der neuen Hypermotard auch reichlich Elektronik. 6-Achsen-IMU, Kurven-ABS, Ducati Traction Control, Wheelie Control, Motorbremsregelung, verschiedene Fahrmodi und Ducati Quick Shift 2.0 gehören zum Paket. Bei der SP kommen außerdem Ducati Power Launch und Pit Limiter hinzu.
Das Entscheidende ist allerdings nicht, dass diese Systeme vorhanden sind, sondern wie gut sie abgestimmt wurden. Die Elektronik wirkt nicht wie eine Spaßbremse, sondern unterstützt genau den Charakter, den dieses Motorrad vermitteln soll.
Gerade beim harten Anbremsen lässt die Hyper genügend Bewegung zu. Das Heck darf leicht werden und sich ein Stück anstellen, während vorne weiterhin ein Sicherheitsnetz vorhanden bleibt. Dadurch fühlt sich das Ganze nicht nach wildem Zufall an, sondern erstaunlich kontrollierbar.
Auf der Rennstrecke macht das einen Heidenspaß. Auf öffentlichen Straßen gehören solche Spielchen natürlich nicht hin – aber das leichte, direkte und aktive Fahrgefühl nimmt man trotzdem mit auf die Landstraße.

Quickshifter: schnell, sauber – aber etwas sensibel
Auch der Ducati Quick Shift 2.0 passt hervorragend zum Motorrad. Hoch- und Runterschalten funktioniert schnell und sauber, gerade beim harten Anbremsen vor engen Kurven arbeitet das System sehr harmonisch.
Eine kleine Eigenheit hat der neue Quickshifter allerdings. Der Schaltwunsch wird direkt über die Schaltwelle erkannt. Wer seinen Fuß dauerhaft leicht am Schalthebel anliegen lässt, kann deshalb unbeabsichtigt einen Schaltimpuls auslösen.
Kein großes Problem, aber etwas, woran man sich kurz gewöhnen muss. Fuß sauber vom Hebel – und alles funktioniert so, wie es soll.
Öhlins-Fahrwerk: bei der SP mehr als nur Bling-Bling
Die SP unterscheidet sich technisch deutlich von der normalen Hypermotard. Vorne arbeitet eine Öhlins NIX30, hinten ein Öhlins STX46. Dazu kommen geschmiedete Felgen, Brembo-M50-Sättel, eine andere Bremspumpe und Pirelli Diablo Rosso IV Corsa.
Und das ist nicht einfach nur teures Zubehör für den Prospekt.
Nachdem das Fahrwerk auf der Strecke zunächst etwas straffer und später noch auf mein Gewicht angepasst worden war, funktionierte es richtig stark. Selbst bei sehr harten Bremsmanövern blieb die Gabel stabil, bot viel Unterstützung und vermittelte gleichzeitig ein sehr gutes Gefühl fürs Vorderrad.
Und wenn das auch mit meinem rund 120 Kilo schweren „Biosystem“ inklusive Lederkombi so sauber funktioniert, darf man dem Fahrwerk durchaus ein ziemlich gutes Zeugnis ausstellen.
Auch die Brembos passen hervorragend zum Gesamtpaket. Die Leistung ist mehr als ausreichend, noch wichtiger ist aber die feine Dosierbarkeit. Gerade beim tiefen Reinbremsen in eine Kurve will man nicht nur maximale Verzögerung, sondern exakt kontrollieren können, was vorne passiert – und genau das liefert die SP.
Mehr Schräglage, als man erwartet
Serienmäßig steht die SP auf Pirelli Diablo Rosso IV Corsa. Natürlich waren die Reifen auf der Rennstrecke vorgewärmt und die dortigen Bedingungen lassen sich nicht eins zu eins auf die Straße übertragen. Trotzdem war beeindruckend, wie viel Vertrauen und Grip diese Kombination vermittelt.
So viel, dass die Fußrasten relativ früh Bodenkontakt bekamen.
Wer mit der Hypermotard hauptsächlich auf der Landstraße unterwegs ist, wird damit vermutlich kaum Probleme haben. Für regelmäßige Trackdays oder Supermoto-Einsätze würde ich mir allerdings die höheren Zubehör-Fußrasten zumindest einmal genauer anschauen.

Serie klingt schon richtig gut
Optisch gefällt mir die hochgelegte Auspuffanlage ausgesprochen gut. Sie hält das Heck schön schlank und passt deutlich besser zum Motorrad als irgendein riesiger Endtopf an der Seite.
Auch beim Sound fehlt mir eigentlich nichts. Der V2 klingt kernig, präsent und typisch Ducati, ohne völlig aus dem Rahmen zu fallen. Natürlich gibt es auch Zubehöranlagen, aber ganz ehrlich: Ich könnte mit der Serienanlage sehr gut leben.

Und damit auf Tour?
Genau hier kam für mich die eigentliche Überraschung.
Je länger ich mit der Hypermotard unterwegs war, desto öfter dachte ich: Warum eigentlich nicht damit in die Berge fahren?
Die Sitzposition passt, die Sitzbank ist erstaunlich angenehm, der Motor hat mehr als genug Druck und das Fahrwerk dürfte gerade auf kurvigen Alpenstraßen richtig Laune machen. Kleine Gepäckrolle hinten drauf und ab Richtung Gardasee? Ich wäre sofort dabei.
Natürlich wird die Hyper dadurch nicht plötzlich zum klassischen Reisetourer. Es gibt keine riesige Scheibe, kein großes Koffersystem und keinen 30-Liter-Tank. Aber brauche ich das wirklich, wenn es nur für zwei oder drei Tage zum Kurvensammeln in die Alpen geht?
Wer die Hypermotard etwas stärker in Richtung Alltag und kleiner Tour trimmen möchte, bekommt außerdem Heizgriffe, Navigation beziehungsweise Ducati Multimedia System und sogar Cruise Control. Damit wird sie zwar noch immer kein Tourendampfer – aber vielleicht gerade deshalb zu einem ziemlich spannenden Reisemotorrad.
Wenig Gepäck, viele Kurven und möglichst wenig Autobahn. Ich glaube, genau so würde ich sie fahren.
Teures Spielzeug – aber ein verdammt gutes
Billig ist die Sache allerdings nicht. Die normale Hypermotard V2 startet bei 15.690 Euro, die von mir gefahrene SP liegt bei 19.990 Euro, jeweils zuzüglich Nebenkosten.
Dafür bekommt man bei der SP aber eben nicht nur eine andere Lackierung und ein paar schicke Aufkleber. Öhlins-Fahrwerk, geschmiedete Räder, bessere Bremskomponenten und einige weitere Details machen sie technisch tatsächlich zu einem anderen Paket.
Und dann wäre da natürlich noch die Optik. Der rote Heckrahmen, die schlanke Linie, die hochgelegten Endtöpfe und vor allem die weißen Felgen machen die SP schon im Stand zu einem echten Hingucker.
Dass die weißen Räder wahrscheinlich ein absoluter Putz-Albtraum sind, steht auf einem anderen Blatt.
Aber verdammt gut sehen sie eben trotzdem aus.

Mein Fazit: Aus „Wozu?“ wird „Warum nicht?“
Ich bin mit einer gehörigen Portion Skepsis nach Modena gekommen. Eine hochbeinige 120-PS-Supermoto für fast 20.000 Euro – braucht man so etwas wirklich?
Die Antwort darauf ist wahrscheinlich weiterhin: Nein.
Aber genau das ist nach diesem Test völlig egal.
Die Ducati Hypermotard V2 SP ist nicht die stärkste Ducati, nicht die schnellste und ganz sicher nicht die vernünftigste. Dafür ist sie leicht, direkt, emotional und unglaublich spielerisch. Sie macht aus jeder Kurve ein kleines Erlebnis und erinnert einen ziemlich eindrucksvoll daran, warum Motorradfahren nicht immer einen rationalen Grund braucht.
Was mich selbst am meisten überrascht hat: Von den aufrechten Ducati-V2-Modellen wäre sie nach diesem Test tatsächlich meine erste Wahl. Ausgerechnet die Hypermotard.
Nicht weil sie alles besser kann als andere Motorräder, sondern weil sie etwas schafft, das am Ende vielleicht viel wichtiger ist: Man steigt ab – und grinst immer noch.

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